Pressemitteilung

05. September 2011

Schlechtere Konjunkturerwartungen lassen den HWWI-Rohstoffpreisindex sinken, Getreideindex steigt jedoch

Während der HWWI-Rohstoffpreisindex auf US-Dollar-Basis um 5,5 % im Vergleich zum Vormonat sank, reduzierte er sich auf Euro-Basis sogar um 6,1 %. Im Index verminderten sich besonders die beiden Teilindizes „Energierohstoffe“ um 6,5 % (in Euro: -7,0 %) und „NE-Metalle“ um 5,9 % (in Euro: -6,4%). Dagegen stieg der Index für Getreide um 7,2 % (in Euro: 6,5 %).

Im Teilindex „Energierohstoffe“ gab das Rohöl der Sorte Brent um 5,4 % (in Euro: 6,0 %) nach. Dieser Preisrückgang war besonders auf die schlechteren Konjunkturerwartungen in Europa und den USA zurückzuführen. Eine nachlassende Weltkonjunktur würde die Ölnachfrage reduzieren. Zudem gingen die Marktakteure davon aus, dass mit einem Ende der Kämpfe in Libyen sich in den nächsten Monaten das Ölangebot schnell erhöhen würde. Dies hatte zur Folge, dass der Ölpreis von gut 116 US-Dollar pro Barrel auf unter 105 US-Dollar pro Barrel zurückging. Dieser Preisrückgang war jedoch nur vorübergehend, weil sich auf dem Ölmarkt recht bald die Erkenntnis durchsetzte, dass es noch eine ganze Weile dauern kann, bis Libyen wieder die Mengen an Öl fördert wie vor Ausbruch der Unruhen. Die Förderung lag bei etwa 1,6 Millionen Barrel Öl pro Tag.

Wie schnell das lybische Ölangebot steigt, hängt davon ab, in was für einem Ausmaß die Ölförderanlagen durch den Konflikt beschädigt wurden. Man geht davon aus, dass die Offshore-Anlagen im Mittelmeer wieder schnell in Betrieb genommen werden können. Auch für den Osten des Landes wird geschätzt, dass es dort nach Ende der Unruhen möglich ist, die Ölproduktion in den nächsten Monaten wieder zum Laufen zu bringen. Für die übrigen Gebiete des Landes wird aber davon ausgegangen, dass durch Plünderungen und Kriegsschäden die Produktion erst mit einer großen zeitlichen Verzögerung anlaufen wird. So geht die Internationale Energieagentur (IEA) davon aus, dass erst wieder im Jahre 2015 das Förderniveau in Libyen den Stand von vor dem Ausbruch der Unruhen erreichen wird. Während der Ölpreis im HWWI-Rohstoffpreisindex sank, blieb der Kohlepreis nahezu gleich mit einer Änderungsrate von +0,2 % (in Euro: -0,3 %).

Die Erwartungen, das Wachstum der Weltkonjunktur könnte sich verlangsamen, führte nicht nur zu Preissenkungen bei Öl, sondern auch die Metalle verbilligten sich. Besonders die Preise von Zinn, Blei und Kupfer sanken. Der Zinnpreis reduzierte sich um 10,7 % (in Euro: -11,2 %), gefolgt vom Preis für Blei mit einem Rückgang von 10,3 % (in Euro: -10,8 %). Der Kupferpreis lag 6,0 % (in Euro: -6,5 %) tiefer als noch im Vormonat. Kupfer notierte noch im Monat März bei knapp 10 000 US-Dollar pro Tonne, um dann Mitte August bei unter 8 800 US-Dollar pro Tonne zu liegen. Gegen Ende des Monats stiegen die Notierungen für Kupfer jedoch wieder auf gut 9 100 US-Dollar pro Tonne an. Die Auslöser für den Preisanstieg zum Monatsende waren unter anderem chinesische Unternehmen, die die niedrigeren Preise für Käufe nutzten und sich somit die Kupfernachfrage erhöhte. China fragt fast 40 % des weltweit gehandelten Kupfers nach und hat damit einen starken Einfluss auf die Preisentwicklung.

Gegen den Trend der übrigen Rohstoffe entwickelten sich die Getreidepreise. Der Index für Getreide stieg um 7,2 % an (in Euro: 6,5 %). Dabei verteuerte sich Reis um 8,5 % (in Euro: 7,9 %) gegenüber dem Vormonat. Diese Preissteigerungen wurden durch Sorgen der Händler ausgelöst, dass Thailand, der weltweit größte Reis-Exporteur, seinen Bauern Preise für den Reis zahlen könnte, die über den Marktpreisen liegen. Dies hätte zur Folge, dass die Exporte Thailands sinken würden, weil die Bauern einen höheren Anreiz hätten, ihren Reis im Inland zu verkaufen. Auch der Maispreis stieg an, weil die Ernteerwartungen in den USA aufgrund von Hitze gesenkt werden mussten. Etwa 50 % der weltweiten Mais-Exporte kamen bislang aus den USA. Da Mais besonders für Tierfutter verwendet wird, drohen auch Preissteigerungen bei Fleisch. Neben Reis und Mais hat sich auch Weizen verteuert. Er notierte im Vergleich zum Vormonat um 7,7 % (in Euro: 7,1 %) höher. Damit erhöhten sich die Risiken erneuter kräftiger Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln. Gerade die Menschen in den ärmeren Ländern wären hiervon betroffen, weil sie einen großen Anteil ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben müssen. Schon jetzt notiert der Index „Getreide“ um 44,4 % (in Euro: 29,8 %) höher als vor einem Jahr.

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