Pressemitteilung

06. Juni 2012

Preise für Rohstoffe sind kräftig gesunken

Der HWWI-Rohstoffpreisindex sank im Mai im Vergleich zum Vormonat auf US-Dollar-Basis um 7,5 % und in Euro um 4,9 %. Im Monatsdurchschnitt erreichte der Index fast wieder den Stand vom Oktober 2011. Besonders stark gab der Teilindex für „Energie“ mit 8,3 % (in Euro: -5,8 %) nach. Die beiden Teilindizes „Industrierohstoffe“ sowie „Nahrungs- und Genussmittel“ sanken um 3,7 % (in Euro: -1,1 %) bzw. um 2,1 % (in Euro: +0,7).  Die Preisenachlässe fielen in Euro aufgrund der Euroabwertung wesentlich geringer aus als in US-Dollar.

Im Mai notierte der Index für Rohöl im Durchschnitt um 8,4 % niedriger als im Monat davor. Starke Preisnachlässe beim Öl setzten gegen Ende des Monats ein. So lag der Preis für ein Barrel (in etwa 159 Liter) der Ölsorte Brent bei gut 100 US-Dollar, das sich damit im Vergleich zum ersten Handelstag am Monatsanfang um 16,7 % verbilligte. So niedrig lag der Ölpreis zuletzt im Februar 2011, bevor der Bürgerkrieg im OPEC-Mitgliedsland Libyen ausbrach.

Zu den sinkenden Ölpreisen trugen Entwicklungen auf der Angebotsseite bei. Saudi Arabien fördert so viel Öl wie seit 30 Jahren nicht mehr. Der Konflikt zwischen dem Iran und westlichen Nationen über das umstrittene Atomprogramm Teherans hat sich etwas entschärft, nachdem wieder am Verhandlungstisch gemeinsam nach Lösungen gesucht wird. Darüber hinaus hat Libyen seine Ölproduktion weiter kräftig ausgedehnt und soll nach Angaben des libyschen Ölministeriums wieder bei 90 % des Niveaus vor Ausbruch der Unruhen liegen. Damit produzieren die OPEC-Mitgliedsländer zusammen mehr Öl als die 30 Mio. Barrel pro Tag, die sie auf ihrer letzten Sitzung in Wien im Dezember 2011 vereinbart hatten.

Aber auch schwache Wirtschaftszahlen aus Asien, den USA und besonders Europa, wo sich die Krise in Spanien verschärfte, setzten den Ölpreis unter Druck.  Mit einer sich abschwächenden Weltkonjunktur droht eine niedrigere globale Rohstoffnachfrage. Davon wäre nicht nur Öl betroffen, sondern auch in einem besonderen Maße die konjunkturabhängigen NE-Metalle und auch Eisenerz, das für die Erzeugung von Stahl eingesetzt wird. So verbilligte sich Eisenerz im Mai um 7,2 % (in Euro: -4,7 %), Zinn um 7,7 % (in Euro: -5,1 %), Nickel um 4,8 % (in Euro: -2,2 %) und Kupfer um 4 % (in Euro: -1,4 %) im Vergleich zum Vormonat. Der Index „NE-Metalle“ liegt damit um 19,6 % (in Euro: 9,9 %) und der Index „Eisenerz, Stahlschrott“ um 18,6 % (in Euro: -8,8 %) unter seinem Stand vom Mai 2011.

Während sich Getreide um 2,7 % (in Euro: +0,1 %) im Mai verbilligte, reduzierten sich die Preise für Spinnstoffe mit 9,5 % (in Euro: -7,1 %) am stärksten im Gesamtindex. Besonders die Baumwollpreise fielen, weil eine niedrigere Nachfrage aus China und Indien befürchtet wurde. Zudem hatten die hohen Baumwollpreise aus dem Vorjahr dazu geführt, dass Bauern ihre Anbauflächen ausdehnten und die Nachfrage auf synthetische Fasern auswich. Im Mai sank der Baumwollpreis um 12,3 % (in Euro: -10 %).


 

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