Pressemitteilung

09. Januar 2014

Rohstoffe verbilligten sich überwiegend im Jahr 2013

Der HWWI-Rohstoffpreisindex auf US-Dollar-Basis ist 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 2 % zurückgegan-gen. Auf Euro-Basis reduzierte er sich um 5,1 %. Mit einem Rückgang von 11,1 % (in Euro: -14,1 %) sank der Teilindex für Nahrungs- und Genussmittel besonders stark. Die NE-Metalle verbilligten sich gegenüber dem Jahresdurchschnitt 2012 um 7,8 % (in Euro: -10,7 %) und die Energierohstoffe um 1,3 % (in Euro: -4,4 %). Gegen den Trend fallender Rohstoffpreise im Jahre 2013 entwickelte sich der Index für Eisenerz und Stahlschrott, der um 3,5 % (in Euro: +0,2 %) zunahm.

Nachdem sich Kohle schon 2012 stark verbilligte, hat sich dieser Trend auch im Jahre 2013 fortgesetzt. Im vergangenen Jahr sank der Index für Kohle um über 12 % (in Euro: -15 %). Die fallenden Kohlepreise sind zum großen Teil auf den Gasboom in den USA zurückzuführen. Als weltweit großer Energiekonsument verwenden die USA zunehmend Gas anstatt Kohle, da die Gaspreise im Zuge der US-amerikanischen Schiefergasproduktion gefallen sind. Eine reduzierte Kohlenachfrage setzte in Folge dessen die Kohlepreise unter Abwärtsdruck. Damit trugen die Kohlepreise wesentlich zum Absinken der Preise für Energierohstoffe im Index bei, die sich um 1,3 % (in Euro: -4,4 %) verbilligten.

Neben dem Index für Kohle sank aber auch der Index für Rohöl und zwar um 0,8 % (in Euro: -3,9 %). Dabei unterlag der Ölpreis im Jahresverlauf 2013 erheblichen Schwankungen. So näherte sich der Preis für ein Barrel Brentöl zeitweise der 120 Dollarmarke, um dann kurzfristig wieder unter 100 US-Dollar zu fallen. Unruhen und politische Entwicklungen in Ländern, die einen großen Anteil an der weltweiten Ölförderung haben oder die wichtig für den Öltransport sind, haben immer wieder den Ölpreis in die eine oder andere Richtung bewegt. Der Iran stand dabei immer wieder im Fokus. Ursprünglich war der Iran der zweitgrößte Ölproduzent in der OPEC. Dies änderte sich als die EU im Sommer 2012 ein Ölembargo gegen das Land verhängte. Im Herbst 2013 sanken die Ölpreise, da mit dem Iran eine Einigung zur Entschärfung des Atomstreits erzielt wurde. Dies nährte die Hoffnung, dass auf absehbare Zeit das europäische Ölembargo gegen den Iran gelockert werden könnte, mit der Folge, dass die Preise nachgaben. Aber auch Nachrichten aus anderen Ländern bestimmten im Laufe des Jahres 2013 den Ölmarkt. Eine drohende Eskalation des Syrienkonflikts führte im August zu einem starken Anstieg der Ölpreise. Zwar ist Syrien kein großer Ölproduzent, jedoch würde eine Destabilisierung der Region auch wichtige Ölförderländer wie Irak, Iran oder gar Saudi Arabien betreffen. Als die US-Amerikaner von einem militärischen Eingreifen in Syrien Abstand nahmen, entspannte sich die Lage auf dem Ölmarkt aber wieder.

Auch Entwicklungen in Ägypten und Libyen setzten den Ölpreis zwischenzeitlich 2013 unter Auf-wärtsdruck. In Ägypten wurde befürchtet, dass die Unruhen im Zuge der Entmachtung des Präsidenten Mohammed Mursi den Öltransport durch den Suezkanal beeinträchtigen könnten. Die libyschen Ölexporte sanken drastisch aufgrund von Schließungen von Ölförderanlagen und Streiks in Exporthäfen. Preissenkend wirkten dagegen die wiederkehrenden Meldungen über eine erhöhte Ölproduktion in den USA aus dem Schiefergestein. So geht die IEA davon aus, dass die USA bis zum Jahr 2015 zum weltweit größten Ölproduzenten aufsteigen werden. „Zwar steigt außerhalb der OPEC das Ölangebot, was auf den Ölmarkt beruhigend wirken dürfte“, so Leon Leschus, Rohstoffexperte am HWWI, „aber mit Ölpreisschwankungen wird auch im Jahr 2014 zu rechnen sein, da politische Instabilitäten in wichtigen Ölförderländern weiterhin Bestand haben.“

Der Index für Industrierohstoffe gab 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 2,7 % (in Euro: -5,8 %) nach. Für diesen Rückgang waren vor allem die zurückgehenden Preise für NE-Metalle verantwortlich. Ihr Index sank um 7,8 % (in Euro: -10,7 %). Dabei verbilligten sich Nickel um 14,3 % (in Euro: -17 %), Aluminium um 8,5 % (in Euro: -11,3 %) und Kupfer um 7,8 % (in Euro: -10,7 %). Bei den Metallen wirkte sich preisdämpfend aus, dass zunehmende Förderkapazitäten auf den Markt kamen. Preisspitzen in der Vergangenheit hatten den Anreiz erhöht, neue Förderstätten aufzubauen oder auch Erweiterungsinvestitionen zu tätigen. Mit einer Zeitverzögerung von drei bis fünf Jahren kommt nun ein zusätzliches Angebot auf den Markt und drückt die Preise nach unten. Darüber hinaus konnte das anwachsende Angebot nicht durch eine stark ansteigende Nachfrage nach Metallen ausgeglichen werden. Dies war insbesondere in der ersten Jahreshälfte 2013 der Fall und hatte zur Folge, dass zwischenzeitlich die Lagerbestände an Metallen in London und Shanghai kräftig anstiegen. Der Preis für Zinn entwickelte sich im letzten Jahr entgegengesetzt zum Index für NE-Metalle. Er stieg um 5,9 % (in Euro: +2,6 %) an. Die Erklärung dafür ist in Exportrestriktionen seitens Indonesiens zu finden, das als der größte Zinnexporteur seine Ausfuhren an Zinn mit dem Ziel drosselte, stärker an der Weiterverarbeitung des Metalls zu verdienen. Auch Eisenerz verteuerte sich um 5,5 % (in Euro: +2,1 %), da China wieder verstärkt Eisenerz für seine Industrie, insbesondere für die Stahlbranche, nachfragte. „Die anziehende Weltkonjunktur könnte im laufenden Jahr preisstützend auf die Metallpreise wirken“, sagt Prof. Dr. Michael Bräuninger, Forschungsdirektor am HWWI.

Der Index für Nahrungs- und Genussmittel hat sich im Jahresdurchschnitt 2013 gegenüber dem des Vorjahres um 11,1 % (in Euro: -14,1 %) reduziert. Dies ist besonders darauf zurückzuführen, dass sich 2013 die Ernten für Mais und Sojabohnen im Mittleren Westen der USA wieder normalisiert haben. Im Jahr 2012 herrschte eine extreme Trockenheit, die dort die Ernten sehr stark in Mitleidenschaft gezogen hatte. Aber auch die Reisernten fielen im letzten Jahr in Asien günstig aus. Die guten Ernten und die steigenden Lagerbestände auf dem Getreidemarkt führten dazu, dass sich Mais um 17,6 % (in Euro: -20,2 %), Reis um 9,3 % (in Euro: -12,2 %), Weizen um 6,3 % (in Euro: -9,5 %) und Sojabohnen um 4,9 % (in Euro: -8,1 %) verbilligten. Außerdem gab der Kaffeepreis besonders stark nach. Günstige Wetterbedingungen hatten in Brasilien zu einer großen Kaffeeernte geführt. Zum steigenden Kaffeeangebot hatte zudem beigetragen, dass die brasilianischen Anbauflächen an Kaffee als Antwort auf Produktionsausfälle in Kolumbien ausgedehnt worden waren. Die kolumbianischen Kaffeeplantagen erholen sich aber zunehmend von dem Schädlingsbefall vergangener Jahre.

Der HWWI-Rohstoffpreisindex ist ein Produkt der HWWI Consult GmbH.

PDF-Version