Pressemitteilung

07. April 2014

HWWI-Rohstoffpreisindex ist leicht gesunken

Im März ist der HWWI-Rohstoffpreisindex im Vergleich zum Monatsdurchschnitt Februar auf US-Dollar-Basis leicht um 0,5 % und in Euro um 1,7 % gesunken. Damit notiert der Index in US-Dollar auf seinem Stand von vor einem Jahr, wohingegen er in Euro um 6,2 % darunter liegt. Zu dem Rückgang beim Index trugen vor allem Metalle und die Energierohstoffe bei. So verbilligte sich Kohle um 4 % (in Euro: -5,2 %), gleichzeitig sank auch der Unterindex für Eisenerz und Stahlschrott um 7,2 % (in Euro: -8,3 %). Rohöl gab um 0,7 % (in Euro: -1,8 %) nach. Dagegen stieg der Index für Nahrungs- und Genussmitteln um 7,2 % (in Euro: +5,9 %) an. Weitere Preisanstiege waren vor allem beim Kaffee zu beobachten, der sich um 19,7 % (in Euro: +18,4 %) verteuerte. 

Anfang März geriet der internationale Ölmarkt aufgrund von Befürchtungen, der Konflikt um die Halbinsel Krim könnte die russischen Öl- und Gasimporte nach Europa gefährden. Am ersten Handelstag im März stieg der Preis für die europäische Ölsorte Brent kräftig an und notierte zu Handelsschluss bei über 111 US-Dollar pro Barrel. In den darauffolgenden Tagen nach dem Preissprung sank der Ölpreis mit der Überzeugung der Marktteilnehmer, dass es nicht im Interesse Russlands sei, seine Öl- und Gasexporte nach Europa zu stoppen. Zwar bezieht Europa einen großen Teil seines Rohöls (ca. 33 % seiner Importe) und Gases (ca. 35 %) aus Russland, jedoch erzielt Russland ca. 80 % seiner Einnahmen aus dem Außenhandel durch den Verkauf mineralischer Rohstoffe. Damit besteht eine wechselseitige Abhängigkeit. Zudem hat Russland große Investitionen in Pipelineprojekte nach Europa, die sich erst über einen längeren Zeitraum amortisieren werden, vorgenommen, so zum Beispiel bei der Nordstream Pipeline. Die Perspektive auf eine grundsätzlich gute Ölversorgung hat bei einer gleichzeitigen Eintrübung des Ausblicks auf die Weltkonjunktur den Preis für Brentöl wieder auf unter 106 US-Dollar pro Barrel absinken lassen. Erst Nachrichten über Produktionsausfälle in Nigeria und eine weiterhin schwierige Situation in dem OPEC-Land Libyen stoppten die Preisrückgänge, sodass der fallende Trend gestoppt wurde und sich der Brentölpreis Ende März zwischen 106 und 107 US-Dollar pro Barrel einpendelte.

Der Index für NE-Metalle gab im März um 1,4 % (in Euro: -2,5 %) nach und notierte damit um 10 % (in Euro: -15,6 %) niedriger als noch vor einem Jahr. Vor allem der Kupferpreis sank mit 6,8 % (in Euro: -7,9 %) stark. Der Preisrückgang wurde durch Sorgen über die weitere Wirtschaftsentwicklung in China ausgelöst, das rund 40 % des weltweit gehandelten Kupfers nachfragt. Befürchtungen, die Kreditvergabe könnte sich in China zunehmend erschweren und damit die Bauwirtschaft in dem Land belasten, führten außerdem zu Preisrückgängen beim Eisenerz, das sich um 7,9 % (in Euro: -8,9 %) verbilligte. Eisenerz notierte damit im Monatsdurchschnitt März so niedrig wie seit dem September 2012 nicht mehr. Gegen den Trend fallender Metallpreise entwickelte sich im letzten Monat Nickel, bei dem der Preis um 10,3 % (in Euro: + 9 %) stieg. Ende 2013 notierte der Nickelpreis noch bei knapp 14.000 US-Dollar (in Euro: rund 10.000); im März stieg der Preis über 16.000 US-Dollar (in Euro: 11.700). Dabei wirkt sich vor allem der seit einigen Wochen laufende Exportstopp Indonesiens aus. Bis dahin war Indonesien der größte Exporteur von Nickelerzen. Der Exportstopp wurde von der indonesischen Regierung mit dem Ziel verhängt, dass das Land stärker an der Weiterverarbeitung des Metalls profitiert. „Handelsbeschränkungen, wie sie hier Indonesien umsetzt, nützen dem Land höchstwahrscheinlich nicht und führen gegebenenfalls sogar zu Gegenmaßnahmen der Handelspartner. Letztlich werden alle verlieren.“, so Prof. Dr. Michael Bräuninger, Forschungsdirektor am HWWI. Beigetragen zu den Preissteigerungen bei Nickel hat zudem auch die Krimkrise, da Russland zu einem der größten Produzenten von raffiniertem Nickel der Welt gehört. So trug auch die Unsicherheit, ob die westlichen Staaten noch weitere Sanktionen gegen Russland verhängen, zu der Erhöhung des Nickelpreises bei.

Der Index für Getreide ist im letzten Monat um 7,9 % (in Euro: +6,6 %) gestiegen. Vor allem Weizen mit einem Anstieg von 12,1 % (in Euro: +10,7 %) und Mais 8,6 % (in Euro: +7,3 %) verteuerten sich. Nach-richten über zu trockenes Wetter und extrem kalte Temperaturen in wichtigen Anbauregionen der USA ließen die Ernteaussichten sinken und führten zu Preiserhöhungen beim Getreide. Die brasilianischen Kaffeebäume litten unter dem trockensten Jahresanfang seit mehreren Dekaden, wodurch eine Preisrally beim Kaffee ausgelöst wurde. Dabei ist Brasilien der weltweit größte Exporteur von Kaf-fee der hochwertigen Sorte Arabica. Der im Index enthaltene Kaffeepreis erreichte Mitte März einen Hochstand wie zuletzt vor gut zwei Jahren. Der Preisanstieg wurde auch durch die gestiegene Nachfrage nach Rohkaffee durch Röster befeuert, die sich bis Dezember in der Hoffnung auf sinkende Preise noch mit ihren Einkäufen zurückgehalten hatten. Nun drehte der Kaffeemarkt vollständig. „Mit dem Start der Ernte wird sich herausstellen, wie stark die Kaffeebohnen tatsächlich durch die Hitze in Mitleidenschaft gezogen wurden und der Preisanstieg von mehr als 60 % seit November berechtigt war und nicht zum Teil durch Spekulanten überhöht wurde“, so Leon Leschus, Rohstoffexperte vom HWWI.  

Der HWWI-Rohstoffpreisindex ist ein Produkt der HWWI Consult GmbH.

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