Pressemitteilung

10. März 2015

Teureres Öl ließ den HWWI-Rohstoffpreisindex ansteigen

Im Februar stieg der HWWI-Rohstoffpreisindex im Vergleich zum Vormonat auf US-Dollar-Basis um 10,6 % und in Euro notierte er um 13,3 % höher. Im letzten Monat verteuerte sich Rohöl, nachdem es sich zuvor über mehrere Monate hinweg stark verbilligt hatte. Infolge dessen nahm der Index für Energierohstoffe um 15,4 % (in Euro: +18,2 %) zu. Im Gegensatz dazu sank die Mehrzahl der anderen im Index enthaltenen Rohstoffpreise auf US-Dollar-Basis. Während der Index für Eisenerz und Stahlschrott um 9,4 % (in Euro: -7,2 %) nachgab, verbilligten sich die NE-Metalle um 0,7 % (in Euro: +1,7 %). Auch der Index für Nahrungs- und Genussmittel ging zurück und lag um 2,3 % (in Euro: +0,1 %) unter dem Monatsdurchschnitt vom Januar.

Zwischen Mitte Juni 2014 und Anfang Januar 2015 sind die Rohölpreise kräftig gefallen. Während der Preis für ein Barrel Brentöl im Sommer letzten Jahres noch bei gut 115 US-Dollar lag, notierte er in der zweiten Handelswoche im Januar zwischenzeitlich bei unter 47 US-Dollar. Zu den niedrigeren Ölpreisen hat vor allem das gestiegene weltweite Ölangebot beigetragen. Aufgrund der Förderung unkonventionellen Erdöls mithilfe des so genannten Frackings gelang es in den USA in den letzten Jahren, so viel Öl zu fördern wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Doch auch die OPEC trägt mit ihrer Produktion dazu bei, dass die Welt mit großen Ölmengen versorgt wird. Jedoch setzten seit Mitte Januar auf dem Ölmarkt Preissteigerungen ein und Brentöl verteuerte sich wieder auf über 60 US-Dollar pro Barrel. Dieser Preisanstieg wurde unter anderem dadurch ausgelöst, dass in den letzten Monaten die Ölförderung in den USA zurückgefahren worden ist. Laut Baker Hughes, einem Serviceunternehmen in der Ölindustrie, ist die Anzahl der aktiven Förderanlagen in den USA gegenüber dem Hochstand im Oktober 2014 bis Ende Februar um 39 % zurückgegangen. Darüber hinaus wird zurzeit auch Rohöl in Lagern in der Hoffnung zurückgehalten, dass die Ölnachfrage und im Zuge dessen auch die Preise wieder steigen werden. Zu den jüngsten Preisanstiegen beim Rohöl haben auch Produktionsausfälle in wichtigen Öl produzierenden Ländern beigetragen. So sanken die Ölexporte aus dem Irak aufgrund schlechter Wetterverhältnisse und in Libyen wurden Häfen und Ölfelder, darunter das größte des Landes „Sarir“, aufgrund von Kämpfen und Sabotage geschlossen.

Der Rückgang beim Index für NE-Metalle um 0,7 % (in Euro: 1,7 %) ist hauptsächlich durch gesunkene Zinn- (in US-Dollar: -6 %; in Euro: -3,8 %) und Kupferpreise (in US-Dollar: -2 %; in Euro: +0,7 %) zu erklären. Der Aluminiumpreis entwickelte sich entgegen dem Trend fallender Metallpreise und stieg um 0,7 % (in Euro: +3 %). Auf den Metallmärkten machten sich vor allem eine gute Angebotslage und eine schwächere Nachfrage wegen eines geringeren weltweiten Wirtschaftswachstums bemerkbar. „Auch der stärkere US-Dollar hielt Investoren außerhalb der USA davon ab, Metalle nachzufragen, da sie in US-amerikanischer Währung notiert sind. So spekulieren sicherlich einige Marktteilnehmer darauf, dass ihre heimische Währung gegenüber dem US-Dollar wieder aufwertet“, so Leon Leschus, Rohstoffexperte am HWWI. Der Kupferpreis lag im Monatsdurchschnitt Februar um 20,3 % (in Euro: -4,1 %) und der Zinnpreis um 19,8 % (in Euro: -3,5 %) niedriger als im Vergleichsmonat vor einem Jahr. Die Entwicklung beim Aluminiumpreis sieht dagegen anders aus: Hier stieg der monatliche Durchschnittspreis im Jahresverlauf um 7,5 % (in Euro: +3 %). Zwar leidet die internationale Aluminiumnachfrage auch unter einem schwächeren globalen Wirtschaftswachstum, aber dies wird überkompensiert durch den Trend, im Fahrzeugbau mehr Leichtmetall zu verwenden. Genauso wie bei den NE-Metallen belastete die abgeschwächte Entwicklung der Weltkonjunktur auch den Eisenerzpreis. So verbilligte sich Eisenerz im Februar um 7 % (in Euro: -4,7 %) und notierte damit um 48,2 % (in Euro: -37,6 %) niedriger als vor einem Jahr. Auch wirkte sich auf den Eisenerzpreis aus, dass massive Produktionsmengen aus Australien und Brasilien auf den Markt kamen.

Im Monatsdurchschnitt Februar ging der Index für Getreide um 2,3 % (in Euro: -0,1 %) zurück, wobei der Weizenpreis um 5,4 % (in Euro: -3,1 %) am stärksten nachgab. Zu den Preisrückgängen beim Weizen hat beigetragen, dass das US-amerikanische Agrarministerium (USDA) ein weiteres Mal seine Prognosen für die weltweite Weizenernte in der laufenden Saison 2014/15 nach oben korrigierte, und zwar auf über 725 Millionen Tonnen. Auch für die folgende Saison gibt das USDA einen positiven Ernteausblick. Trotz einer um rund 5 % niedrigeren Anbaufläche rechnet es in den USA aufgrund höherer Erträge pro Flächeneinheit mit einer steigenden Weizenproduktion. Daneben scheint aber auch der aufgewertete US-Dollar den US-amerikanischen Weizenexporteuren zu schaffen zu machen; so hat Ägypten, der weltweit größte Weizenimporteur, Importe aus den USA wegen zu hoher Preisforderungen gestrichen. Im Index für Genussmittel gab der Kaffeepreis um 4,8 % (in Euro: -2,5 %) nach und notierte damit so niedrig wie zuletzt vor einem guten Jahr. Im Vergleich zu Mitte März 2014 hat sich der Kaffeeindex, in dem neben der hochwertigen Kaffeesorte Arabica auch Robusta gewichtet enthalten ist, um 27,4 % (in Euro: -9,3 %) verbilligt. Dabei gilt es jedoch zu berücksichtigen, dass sich Kaffee Anfang 2014 aufgrund einer extremen Trockenheit in Brasilien, dem Hauptanbauland für den Arabica-Kaffee, stark verteuert hatte. Es findet damit jetzt eine gewisse Preiskorrektur nach unten statt. Vor einem Jahr war noch befürchtet worden, dass durch die Trockenheit die brasilianische Produktion längerfristig schwer in Mitleidenschaft gezogen worden sein würde. Dies scheint jedoch nicht der Fall zu sein. Darüber hinaus ist das Kaffeeangebot durch gute Ernten in Kolumbien gestiegen.

Der HWWI-Rohstoffpreisindex ist ein Produkt der HWWI Consult GmbH.

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