Pressemitteilung

13. April 2015

Sinkende Ölpreise führten zu einem Rückgang beim HWWI-Rohstoffpreisindex auf US-Dollar-Basis

Im März ist der HWWI-Rohstoffpreisindex im Vergleich zum Monatsdurchschnitt Februar auf US-Dollar-Basis um 4 % gesunken und in Euro um 0,5 % leicht gestiegen. Während in US-Dollar bewertet alle Teilindizes nachgaben, trug die starke Abwertung der europäischen Gemeinschaftswährung dazu bei, dass der Großteil der in Euro notierten Indizes anstieg. Auf dem Gesamtindex lasteten vor allem die niedrigeren Ölpreise, die um 4,1 % (in Euro: +0,4 %) geringer notierten und durch ihr großes Gewicht im Gesamtindex einen starken Einfluss auf seine Entwicklung haben. Am stärksten gaben die beiden Teilindizes „Eisenerz/Stahlschrott“ mit 8,4 % (in Euro: -4 %) und „Genussmittel“ mit 8,1 % (in Euro: -3,7 %) nach. Die NE-Metalle gingen dagegen mit 1 % (in Euro: +3,7 %) weniger stark zurück. Gegen den Trend fallender NE-Metallpreise entwickelte sich der Kupferpreis, der um rund 4 % (in Euro: +8,9 %) anstieg.

Im Laufe des März waren starke Preisrückgänge beim Rohöl zu verzeichnen. Zeitweise lagen die Preise für die europäische Leitsorte Brent unter 53,50 US-Dollar pro Barrel und damit so niedrig wie zuletzt im Januar, nachdem sie im Verlauf des Februars schon bei über 62 US-Dollar gelegen hatten. Im Vergleich zum Monatsdurchschnitt Februar notierte Brentöl im März um 3,6 % (in Euro: +1 %) niedriger. Die US-amerikanische Leitsorte WTI verbilligte sich sogar um 6 % (in Eu-ro: -1,6 %). Auf den Preis drückten die weiterhin hohe Ölproduktion und die weitere Zunahme der Öllagerbestände in den USA. Die Internationale Energieagentur gab zu bedenken, dass die Rohölvorräte in den USA in absehbarer Zeit an ihre Lagerkapazitäten kommen könnten. Zwar wurden unrentable US-amerikanische Ölförderanlagen im Zuge der stark gesunkenen Rohölpreise geschlossen, jedoch wurden diese Angebotsrückgänge durch Produktivitätssteigerungen der noch laufenden Anlagen weitestgehend ausgeglichen. Zugleich hat Saudi-Arabien sein Öl-angebot in den letzten Monaten ausgedehnt und damit zur guten weltweiten Ölversorgung beigetragen. In der zweiten Märzhälfte unterlagen die Ölpreise starken Schwankungen. Zwischenzeitlich verteuerte sich Rohöl aufgrund der Unruhen im Jemen, da befürchtet wurde, die gesamte Region könnte in den Konflikt hineingezogen werden. So sah sich Saudi-Arabien gezwungen, in den Konflikt militärisch einzugreifen. Darüber hinaus bestanden auch zunehmende Sorgen, dass der Öltransport auf dem Weg hin zum Suezkanal durch eine Eskalation des Konflikts gefährdet werden könnte. Gleichzeitig verstärkte jedoch die sich abzeichnende Einigung im Atomstreit mit dem Iran die Erwartung, dass das Land in Zukunft wieder mehr Rohöl auf dem internationalen Markt anbieten könnte.  

Der Index für NE-Metalle gab im März um 1 %  nach (in Euro: +3,7 %). Zu diesem Rückgang trug vor allem Nickel bei, das sich um 5,4 % (in Euro: -0,9 %) verbilligte. Mitte Mai 2014 hatte der Nickelpreis noch ein Zweijahreshoch von nahezu 22.000 US-Dollar pro Tonne erreicht. Zwischen diesem Hoch und dem Stand Ende März 2015 ist der Nickelpreis um 41,2 % (in Euro: -25,1 %) auf unter 12.500 US-Dollar pro Tonne gefallen. Damit notiert Nickel so niedrig wie seit sechs Jahren nicht mehr. Auf den Nickelpreis drückte vor allem das Überangebot auf dem internationalen Ni-ckelmarkt. Darüber hinaus wurde in Malaysia eine Steuer auf eingelagertes Nickel eingeführt. Dies dürfte dort den Anreiz erhöhen, Nickel auszulagern und auf dem Markt anzubieten. Neben Nickel verbilligte sich auch Eisenerz kräftig, das am letzten Handelstag im März bei rund 51 US-Dollar pro Tonne notierte. Im Monatsdurchschnitt März lag der Preis für eine Tonne Eisenerz bei 57 US-Dollar, während der Preis im März 2014 noch bei 111,80 US-Dollar lag, was einem Minus von 49 % entspricht. Auf dem Eisenerzpreis lastet, dass die chinesische Stahlindustrie weniger Eisenerz nachfragt, nachdem sie zuvor monatelang den heimischen und internationalen Markt mit Stahl überversorgt hatte. Zusätzlich drückte auf den Eisenerzpreis, dass in den letzten Monaten von der Angebotsseite große Mengen an Eisenerz auf den Markt gebracht wurden. Im Gegensatz zu den meisten anderen Metallen verteuerte sich Kupfer im März und erholte sich damit von den Preisrückgängen vom Jahresanfang. Während der Preis für eine Tonne Kupfer Ende Januar bei unter 5.400 US-Dollar notierte, lag er am letzten Handelstag im März wieder bei über 6.000 US-Dollar. Zu dieser Preissteigerung trugen Sorgen wegen Streiks in wichtigen Kupferminen und die Erwartung einer möglicherweise zunehmenden chinesischen Kupfernachfrage im Zuge eines verstärkten Ausbaus des dortigen Stromnetzes bei. 

Der Index für Nahrungs- und Genussmittel ist im letzten Monat um 3,9 % (in Euro: +0,6 %) gesunken. Dabei ist der Unterindex „Getreide“ um 0,7 % (in Euro: +4,1 %) und der für „Ölsaaten, Öle“ um 2 % (in Euro: +2,7 %) zurückgegangen, während sich die Genussmittel um 8,1 % (in Eu-ro: -3,7 %) verbilligten. Vergleichsweise hohe Lagerbestände aufgrund guter Ernten innerhalb der letzten zwei Jahre haben dazu beigetragen, dass es seit Beginn des Jahres zu keinen aus-geprägten Preissteigerungen auf den Getreidemärkten kam. So notiert Mais seit Anfang Januar weitestgehend in einem engen Band unter der Marke von vier US-Dollar pro Scheffel. Der Preis für Sojabohnen hat sich dagegen überwiegend bei unter 10 US-Dollar pro Scheffel eingependelt. Bei den Genussmitteln haben sich im März infolge eines gestiegenen Angebots vor allem Kaffee um -10 % (in Euro: -5,7 %) und Zucker um -11,6 % (in Euro: -7,5 %) verbilligt. Für den internatio-nalen Kaffee- sowie Zuckermarkt spielt Brasilien als größter Anbieter eine zentrale Rolle. Seit Jahresbeginn hat der brasilianische Real um nahezu 20 % gegenüber dem US-Dollar abgewertet. Da Kaffee und Zucker auf dem internationalen Markt in US-Dollar gehandelt werden, hatten die brasilianischen Produzenten einen verstärkten Anreiz, dort Kaffee und Zucker anzubieten und ihre Einnahmen in heimische Währung umzutauschen. 

Der HWWI-Rohstoffpreisindex ist ein Produkt der HWWI Consult GmbH und kann abonniert werden unter www.hwwi-rohindex.de

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