Pressemitteilung

11. Mai 2015

HWWI-Rohstoffpreisindex steigt aufgrund höherer Ölpreise

Der HWWI-Rohstoffpreisindex ist auf US-Dollar-Basis im April im Vergleich zum Vormonatsdurchschnitt um 6,7 % und in Euro bewertet um 7,2 % gestiegen. Dieser Anstieg lässt sich hauptsächlich durch die Ölpreise erklären, die um 9,9 % (in Euro: +3,7 %) höher notierten. Der Index ohne Energie sank dagegen leicht um 0,8 % (in Euro: -0,3 %). Während sich die NE-Metalle um 1,7 % (in Euro: +2,2 %) verteuerten, trug wesentlich der Index Eisenerz & Stahlschrott zu den Rückgängen bei den Nicht-Energierohstoffen bei. Auch Getreide verbilligte sich im letzten Monat um 2,4 % (in Euro: -1,9 %).

Im Laufe des Aprils hat sich Rohöl verteuert. So näherten sich die Brentölpreise wieder der Marke von 70 US-Dollar pro Barrel und notierten damit so hoch wie zuletzt Ende November 2014. Im Vergleich zum März lagen die Brentölpreise im Monatsdurchschnitt April um 8,4 % (in Euro: +9 %) höher, während sich WTI-Öl, die Leitsorte in den USA, sogar noch stärker um 14,8 % (in Euro: +15,4 %) verteuerte. Preissteigernd wirkte sich zum einen eine verstärkte Ölnachfrage aus. So nahmen die Rohöllagerbestände in den USA in der letzten Aprilwoche ab und Saudi-Arabien erhöhte seine Preise für Ölkonsumenten aus Europa und den USA, was als Zeichen für eine stabile Ölnachfrage in diesen Regionen gedeutet wurde. Zum anderen gab es aber auch Sorgen rund um das Ölangebot, da ein zentraler Hafen für Ölexporte in Libyen geschlossen wurde. Darüber hinaus erwarten die Marktteilnehmer, dass sich das Angebot auf dem Ölmarkt reduzieren dürfte, weil die Ölbohrungen in den USA weiter kräftig zurückgingen und in der letzten Handelswoche im April ein Viereinhalb-Jahrestief erreichten. Damit wäre laut Baker Hughes, einem Serviceunternehmen in der Ölindustrie, die Anzahl der Bohrungen in der 21. Woche hintereinander gefallen. Während im Oktober 2014 beim Höchststand noch gut 1600 Bohrungen in den USA durchgeführt wurden, sank diese Anzahl im April 2015 auf nunmehr 679.

Der Index für NE-Metalle ist im April um 1,7 % (in Euro: +2,2 %) gestiegen. Jedoch entwickelten sich die Preise der einzelnen NE-Metalle sehr unterschiedlich: Während sich Blei um 12 % (in Euro: +12,6 %) und Zink um 8,8 % (in Euro: +9,3 %) verteuerten, verbilligten sich Zinn um 8,4 % (in Euro:  -7,9 %) und Nickel um 7 % (in Euro: -6,5 %). Auch der Preis für Eisenerz gab im Monatsdurchschnitt nach und sank um 8,5 % (in Euro: -8 %). Hauptgründe für die zum Teil gegenläufigen Preisbewegungen waren in verschiedenen Entwicklungen beim Angebot zu finden. Bei Blei und Zink wirkte ein abgeschwächtes Angebot aufgrund von Minenschließungen preissteigernd. Beide Metalle werden zusammen im Gestein vorgefunden und daher überwiegend in identischen Minen gefördert. Dagegen sanken die Zinnpreise aufgrund eines stark gestiegenen Angebots vor allem aus Myanmar. Auch beim Nickel drückte das höhere Angebot auf den Preis, erst gegen Ende April wirkte ein Streik von Bergbauarbeitern in der kolumbianischen Nickelmine Cerro Matoso, eine der größten weltweit, wieder preissteigernd. Auf dem Eisenerzpreis lastete weiterhin, dass in den vorangegangenen Monaten von den Produzenten große Mengen an Eisenerz auf den Markt angeboten wurden. Zwischen Mitte bis Ende April stiegen die Eisenerzpreise jedoch im Zuge der Ankündigung eines großen Produzenten, seinen angestrebten Eisenerzoutput zurückzufahren, wieder von unter 50 US-Dollar pro Tonne auf 57,5 US-Dollar an.

Im Monatsdurchschnitt April ging der Index für Getreide um 2,4 % (in Euro: -1,9 %) zurück, wobei der Weizenpreis um 3,7 % (in Euro: -3,2 %) am stärksten sank. Zudem gaben die Maispreise um 2,5 % (in Euro: -2 %) und die Sojabohnenpreise um 0,8 % (in Euro: -0,2 %) nach. Zu den Preisrückgängen beim Weizen hat beigetragen, dass das US-amerikanische Agrarministerium (USDA) seine Prognosen für die weltweite Weizenernte 2014/15 angehoben hat. Gute Wetterbedingungen haben dazu geführt, dass sich ein großer Teil der Weizenpflanzen in den USA in einem guten oder sehr guten Zustand befindet. Bei Mais war im April das Wetter im Mittleren Westen der USA, dem sogenannten Korngürtel, für den Maisanbau vorteilhaft. In der Folge gerieten die Maispreise aufgrund der guten Ernteaussichten unter Abwärtsdruck. So rechnet das USDA damit, dass die US-amerikanische Maisproduktion für die Erntesaison 2014/15 auf 361,1 Mio. Tonnen steigen wird. Damit würde die sehr gute Erntesaison 2013/14, in der die Produktion bei 351,3 Mio. Tonnen gelegen hatte, noch übertroffen werden. Starke Regenfälle gegen Ende März hatten noch dazu geführt, dass sich in den südlichen Bundesstaaten der USA die Maisaussaat verzögert hatte. Einzelne Marktteilnehmer rechneten damit, dass Bauern bei ihrem Anbau Mais durch Sojabohnen ersetzen würden, da diese erst später gepflanzt werden müssen. Doch mit nachlassenden Regenfällen bestätigte sich diese Einschätzung nicht, da das Aussäen von Mais gut vorankam. Diese Fehleinschätzung bezüglich der möglichen Anbauflächen trug dazu bei, dass im April die Preisrückgänge bei Sojabohnen in einem Umfeld günstiger Wetterbedingungen in den USA geringer ausfielen als bei Mais und Weizen.




Der HWWI-Rohstoffpreisindex ist ein Produkt der HWWI Consult GmbH und kann abonniert werden unter www.hwwi-rohindex.de

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