Pressemitteilung

08. Juni 2015

Energie- und Industrierohstoffe verteuern sich im Mai

Der HWWI-Rohstoffpreisindex ist im Mai den zweiten Monat in Folge angestiegen und spiegelt damit die gestiegenen Weltmarktpreise für eine Reihe wichtiger Rohwaren wider. Insbesondere Energie- und Industrierohstoffe waren von den Preisanstiegen betroffen. Auf US-Dollar-Basis ist der Gesamtindex für den Mai im Vergleich zum Vormonat um 6,0 % gestiegen. Wegen der leichten Euro-Aufwertung im Vergleich zum Vormonat fiel der Anstieg in Euro bewertet mit +2,5 % milder aus. Speziell verteuerte sich erneut Öl auf den Weltmärkten: Die Rohölpreise stiegen im Monatsdurchschnitt um +7,2 % (in Euro: +3,7 %). Der HWWI-Rohstoffpreisindex ohne Energie stieg mit 1,7 % (in Euro: -1,6 %) entsprechend deutlich geringer als der Gesamtindex. Neben Energierohstoffen verteuerten sich im Mai Industrierohstoffe. Steigende Eisenerzpreise sowie verteuerte Nicht-Eisenmetalle ließen den Index für Industrierohstoffe um 2,9 % (in Euro: -0,4 %) steigen. Lediglich Nahrungs- und Genussmittel, vornehmlich Getreide und Ölsaaten, wurden im Mai günstiger gehandelt: Der zugehörige Index sinkt um -1,2 % (in Euro: -4,4 %).


Index für Energierohstoffe: +7,2 % (in Euro: +3,7 %)
Die Ölpreise setzten im Mai ihren Aufwärtskurs fort. Die US-Dollar-Preise aller drei Referenzölsorten stiegen im Monatsdurchschnitt um jeweils über 6 % an; Brent verteuerte sich um 6,6 %, WTI um 8,3 % und Nahost-Öl um 6,8 %. Damit hat der Durchschnittspreis für Rohöl seit den Tiefständen im Januar um 31 % zugelegt. Verglichen mit dem Vorjahresmonat lag der Ölpreis mit -40,6 % (in Euro: -26,8 %) dennoch auf verhältnismäßig niedrigem Niveau.

Ungeachtet des im Monatsvergleich gestiegenen Durchschnittspreises ist in den Tagespreisen der letzten vier Wochen kein eindeutiger Trend zu beobachten. Der Preis für die europäische Sorte Brent erreichte zur Monatsmitte zeitweise über 68 US-Dollar pro Barrel, pendelte sich Ende Mai jedoch wieder bei etwa 65 US-Dollar je Barrel ein. Auch die US-Leitsorte WTI blieb vorerst stabil in der Nähe der Marke von 60 US-Dollar pro Barrel. Der Preisanstieg der letzten fünf Monate scheint somit an Fahrt zu verlieren. Die Fundamentaldaten deuten eher auf eine Preisstagnation, als auf weitere Zugewinne hin: Die internationale Energieagentur (IEA) schätzt den globalen Produktionsüberschuss auf derzeit ungefähr 2 Mio. Barrel pro Tag ein, was etwas mehr als 2 % der globalen Nachfrage entspricht. Die jüngste Preisrally könnte damit zu weiten Teilen erwartungsgetrieben gewesen sein. Bei niedrigem Ölpreis arbeiten viele Förderstätten von nicht-konventionellem Öl in den USA defizitär; eine daraus potentiell resultierende Marktbereinigung hat Erwartungen an ein zukünftig schwächeres Angebot geweckt, was die Preise stützte. Genau jene Preiserhöhung wirkt jedoch in Teilen der antizipierten Marktbereinigung entgegen. Global sind allerdings in nächster Zeit besonders die Signale der OPEC für die weitere Preisentwicklung entscheidend. Mit Spannung wird deshalb das Treffen der OPEC am 05. Juni erwartet. Die Entscheidungen des Kartells über zukünftige Förderquoten sind ein sehr wichtiger Indikator für die weiteren Marktentwicklungen. Brancheninsider erwarten indes eher unveränderte Produktionsziele und damit ein Signal in Richtung eines weiter fortbestehenden globalen Angebotsüberschusses.

Index für Industrierohstoffe: +2,9 % (in Euro: -0,4 %)
Die Preise für Industrierohstoffe stiegen im Mai auf breiter Front. Besonders der Preis für Eisenerz machte im Monatsvergleich einen Sprung von +16,6 % (in Euro: +12,9 %) und Eisenerz handelt nun um die Marke von 61 US-Dollar pro Tonne. Allerdings war der Preis für das 62 %-ige Benchmark-Erz im Monat zuvor auch auf ein 10-Jahrestief gefallen und notierte zeitweise unter 48 US-Dollar. Diese historisch niedrigen Preise wurden - insbesondere in China - genutzt um Läger aufzufüllen, was die Preise wieder steigen ließ. Ungeachtet dieses jüngsten Aufwärtstrends sprechen die Fundamentalfaktoren allerdings eher gegen eine fortwährende Preissteigerung. Der Weltmarkt ist derzeit überversorgt und von der Angebotsseite aus gibt es zur Zeit keine gegenläufigen Signale, denn trotz niedriger Preise und schwächelnder Nachfrage halten die großen Bergbauunternehmen bislang an ihren Plänen zur Produktionsausweitung fest. Der Index für NE-Metalle stieg im Monatsdurchschnitt um 1,7 % (in Euro: -1,7 %). Vor allem Kupfer und Nickel legten dabei im Monatsdurchschnitt mit +4,4 % (in Euro: +1,0 %) respektive +5,4 % (in Euro:+2,0 %) zu.

Index für Nahrungs- und Genussmittel: -1,2 % (in Euro: -4,4 %)
Im Mai verbilligten sich die meisten Agrarrohstoffe. Der Index für Getreide verringerte sich um 2,9 % (in Euro: -6,1 %); der Index für Ölsaaten ging um 1,5 % (in Euro: -4,7 %) zurück. Die beiden Indizes fallen damit bereits zum vierten Mal in Folge und reflektieren die sinkenden Weltmarktpreise dieser Rohstoffgruppe. Die Gersten- und Maispreise sanken im Monatsvergleich jeweils um durchschnittlich 3,8 % (in Euro: -6,9 %), während Sojabohnen um 1,4 % (in Euro: -4,7 %) günstiger gehandelt wurden. Wie in den Vormonaten sorgten anhaltend günstige Wetterbedingungen in den wichtigsten Anbaugebieten für einen guten Pflanzenstatus und gestiegene Erwartungen an hohe Ernteerträge.


 
Der HWWI-Rohstoffpreisindex ist ein Produkt der HWWI Consult GmbH und kann abonniert werden unter www.hwwi-rohindex.de.

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