Pressemitteilung

07. Juli 2015

HWWI-Index sinkt: Leicht rückläufige Rohstoffpreise im Juni

Der HWWI-Rohstoffpreisindex ist im Juni gefallen. Dabei hat sich die Richtung der jeweiligen Teil-Indices im Vergleich zum Vormonat umgekehrt. Während im Mai die Preise für Rohwaren auf breiter Front stiegen, dominierten im Juni besonders Preisrückgänge die Indexbewegung; günstigeres Rohöl sowie sinkende Preise für Industriemetalle ließen den Index auf US-Dollar-Basis um 1,8 % sinken. In Euro-Notation betrug der Rückgang 2,4 %. Der Index für Energierohstoffe fiel um 1,8 % (in Euro: -2,3 %) während der Index für Industrierohstoffe um 3,2 % (in Euro: -3,8 %) sank. Einzig Nahrungs- und Genussmittel verteuerten sich im Juni. Der zugehörige Index stieg um 1,8 % (in Euro: +1,2 %).


Index für Energierohstoffe: -1,8 % (in Euro: -2,3 %)
Die Rohölpreise sind im Juni gesunken. Mit durchschnittlich 1,7 % fiel der Preisrückgang aber moderat aus. Der Preis für die internationale Referenzsorte Brent ging um 3 % zurück, der Referenz-Preis für Öl aus dem Nahen Osten fiel um 2,4 % und die USBenchmark-Sorte West Texas Intermediate (WTI) wurde mit durchschnittlich +0,4 % auf ähnlichem Niveau wie im Vormonat gehandelt.

Ein Jahr nach Beginn eines der historisch markantesten Preiseinbrüche für Rohöl scheint sich der Preis derzeit in einem Korridor zwischen 60 und 70 US-Dollar stabilisiert zu haben. Beginnend im Juni letzten Jahres stürzte der Brent-Preis innerhalb von sieben Monaten von 116 US-Dollar auf 47 US-Dollar pro Barrel. Von Januar bis Mai 2015 erholte sich der Preis und verharrt seit Mitte Mai auf derzeitigem Niveau. Der Fundamentalfaktor, welcher vor einem Jahr zum Preisabsturz führte, ist weiterhin vorhanden: Es gibt momentan zu viel Öl auf dem Weltmarkt. Die Aussicht, dass sich diese Situation in naher Zukunft ändert, ist gering. Das OPEC-Kartell hat in seinem Treffen Anfang Juni seine angestrebten Förderquoten auf unverändert hohem Niveau belassen. Die tatsächliche Produktion der OPEC belief sich mit 31,6 Mio. Barrel pro Tag sogar um 1,6 Mio. Barrel höher als die Zielgröße von 30 Mio. Barrel pro Tag. Nach Daten der EIA beläuft sich momentan der weltweite Angebotsüberschuss auf ca. 2,6 Mio. Barrel pro Tag, wobei der weltweite Verbrauch bei etwa 93 Mio. Barrel pro Tag liegt. Mit einer Einigung in den Atomverhandlungen mit dem Iran und einhergehender Abschwächung der Sanktionen würde voraussichtlich zusätzliches Angebot auf den Markt drängen. Zwar wird die geförderte Ölmenge in den USA nach EIA-Daten - aufgrund zurückgehender Zahl von Neubohrungen für Fracking-Anlagen - voraussichtlich leicht zurückgehen, jedoch bleibt der Markt in absehbarer Zeit weit von einem Gleichgewicht zwischen Nachfrage und Angebot entfernt.

Index für Industrierohstoffe: -3,2 % (in Euro: -3,8 %)
Nachdem die Preise für Industrierohstoffe im Mai noch gestiegen waren, fielen die Preise im vergangenen Monat wieder. Am stärksten war der Rückgang bei den NE-Metallen, die durchweg um mehr als 5 % günstiger gehandelt wurden. Die Preise für Industriemetalle reagieren klassischerweise stark auf Konjunktursignale. Insbesondere im Kupferpreis, mit seinen weitverbreiteten Anwendungsgebieten in der Fertigung und Schwerindustrie, spiegeln sich oftmals Konjunkturzustand und -erwartungen wider. Im gefallenen Kupferpreis (-7,3 %) zeigen sich daher neben der abgeschwächten Wachstumsdynamik der Weltwirtschaft auch die gestiegenen Konjunkturrisiken durch die derzeitigen Entwicklungen in Griechenland.

Index für Nahrungs- und Genussmittel: -1,2 % (in Euro: -4,4 %)
Nahrungs- und Genussmittel verteuerten sich im Juni und stoppten damit den Preisrückgang über die letzten sechs Monate. Der Index für Getreide stieg um 1,2 % (in Euro: +0,6 %), der Index für Ölsaaten und Öle erhöhte sich um 2,7 % (in Euro: +2,0 %) und der Genussmittelindex stieg um 1,3 % (in Euro: +0,7 %). Während die Preise in der ersten Monatshälfte etwa auf Vormonatsniveau verblieben, stiegen die Notierungen in der zweiten Hälfte des Junis merklich an. Schwere Regenfälle in Anbaugebieten der USA verzögerten die Saat von Sojabohnen und beeinträchtigten den Pflanzenstatus in einigen der ertragreichsten Regionen. Der Preis für Sojabohnen sprang daraufhin innerhalb von zwei Wochen um über 12 % auf 10,50 US-Dollar pro Scheffel; Sojaschrot verteuerte sich in der zweiten Monatshälfte um über 14 %. Ungeachtet dieses letzten Preisschubes notiert der Index für Ölsaaten und Öl dennoch um 30,2 % (in Euro: -15,4 %) niedriger als im Vorjahresmonat, denn die globale Sojaproduktion in dieser Erntesaison wird die des letzten Jahres voraussichtlich um 12 % übersteigen und damit für ein ausreichendes Angebot sorgen. Bei den Genussmitteln sticht der Anstieg des Kakaopreises hervor. Seit Ende Januar hat sich der Preis für Kakaobohnen im Zuge global steigender Nachfrage um 20 % erhöht. Im Juni ließen darüber hinaus Produktionsausfälle in Ghana, dem weltweit zweitgrößten Kakaoproduzenten, den Preis für Kakao um 4,4 % steigen.





Der HWWI-Rohstoffpreisindex ist ein Produkt der HWWI Consult GmbH.

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