Pressemitteilung

06. August 2015

Preiseinbruch an den Rohstoffmärkten: HWWI-Index sinkt stark

Der HWWI-Rohstoffpreisindex ist im Juli deutlich gesunken. Der Gesamtindex auf Dollar-Basis brach im Vergleich zum Vormonat um 9,1 % (in Euro: -7,3 %) ein. Der Index ohne Energie sank im Juli um 2,9 % (in Euro: -1,0 %) und markierte damit seinen tiefsten Stand seit über sechs Jahren. Angeführt durch stark sinkende Ölpreise fiel der Index für Energierohstoffe um 10,7 % (in Euro: -2,9 %). Auch die Preise für Industrierohstoffe sanken auf breiter Front; der zugehörige Index fiel um 5,7 % (in Euro: -3,9 %). Lediglich Nahrungsmittel verteuerten sich im Juli. Steigende Preise für Ölsaaten und Getreide ließen den Index für Nah-rungs- und Genussmittel um 3,7 % (in Euro: +5,7 %) steigen. Verglichen mit dem Vorjahresmonat sind sowohl der Gesamt-, als auch sämtliche Teilindizes gesunken.

Index für Energierohstoffe: -10,7 % (in Euro: -9,4 %)
Der Preisverfall an den Ölmärkten setzte sich im Juli weiter fort. Der Preis für Brent-Öl, die internationale Referenzsorte, fiel im Monatsdurchschnitt um 10,6 %. Amerikanisches WTI-Öl notierte im Durschnitt sogar um 14,0 % geringer als im Vormonat, während der Preis für Öl aus dem Nahen Osten um durchschnittlich 11,2 % zurückging. Rohöl notierte damit auf dem niedrigsten Stand seit vier Monaten. Im Juni letzten Jahres kostete ein Barrel Brent noch über 110 US-Dollar, bevor der Preis bis auf unter 50 US-Dollar pro Barrel im Januar einbrach. Von Januar bis Mai hatte sich der Brentpreis in Erwartung einer Marktkonsolidierung zwar kurzfristig auf fast 70 US-Dollar erholt, ist aber seitdem wieder auf Abwärtskurs. Von Mitte Mai an ist der Brentpreis um 22 % gefallen. Der Ölmarkt ist derzeit durch ein ausgeprägtes Überschussangebot gekennzeichnet. Mehrere Faktoren begünstigen diesen Zustand: Zum einen produziert die OPEC aktuell nahe an Rekordfördermengen und liegt etwa 2 Mio. Barrel pro Tag über ihrer anvisierten Förderquote. Zum anderen verharrt die US-amerikanische Schieferölproduktion trotz der gesunken Preise  und entgegen der Erwartungen vieler Marktteilnehmer weiterhin auf hohem Niveau. Zusätzlich sorgte die Einigung im Atomstreit mit dem Iran für preislichen Abwärtsdruck, denn mit dem Auslaufen der Sanktionen könnte der Iran in Zukunft wieder verstärkt Öl exportieren und das Überangebot verstärken. Auch die Nachfrageseite belastete im Juli die Rohölpreise. Die Turbulenzen an den chinesischen Aktienmärkten verringerte das Vertrauen in die Konjunkturaussichten der Volksrepublik und damit auch die Erwartungen an die künftige Ölnachfrage des weltweit zweitgrößten Ölimporteurs. Die derzeitig gegebenen Fundamentalfaktoren lassen demnach kurz- bis mittelfristig eher auf sinkende bis stagnierende Preise schließen, als auf ausgeprägte Preissignale nach oben.

Index für Industrierohstoffe: -5,7 % (in Euro: -3,9 %)
Die Industrierohstoffpreise sind im vergangenen Monat kräftig gefallen und folgten damit dem Abwärtstrend der letzten Monate. Der Index für Industrierohstoffe fiel auf einen 6-Jahres-Tiefstand. Angebotsüberhang und Bedenken bezüglich der chinesischen Wirtschaft ließen die Preise fallen. China ist verantwortlich für über 40 % der weltweiten Nachfrage nach Industriemetallen; entsprechend reagierte der Markt sehr sensibel auf die neuerlichen Kursschwankungen am chinesischen Aktienmarkt sowie die eingetrübten Aussichten der chinesischen Konjunktur. Zwar wachsen die chinesische Wirtschaft und damit der Rohstoffverbrauch weiterhin, jedoch voraussichtlich nicht so stark wie sich das globale Angebot ausweitet. In den letzten Jahren wurde weltweit in viele neue Förderprojekte investiert, deren zusätzliche Produktion nun den Markt überversorgt. Kupfer verbilligte sich im Vormonatsvergleich um 6,5 %, Aluminium fiel um 2,7 % und der Nickelpreis gab um 10,9 % nach. Der Preis für Eisenerz ging im Vergleich zum Juni gar um 18,0 % auf durchschnittlich 51,10 US-Dollar pro Tonne zurück: Das ist der geringste Monatsdurchschnittspreis seit über 10 Jahren.

Index für Nahrungs- und Genussmittel: +3,7 % (in Euro: +5,7 %)
Nahrungs- und Genussmittel verteuerten sich im Monatsdurchschnitt. Anfang Juli ließen schlechte Witterungsbedingungen die Kurse für Agrarrohstoffe steigen. Mais verteuerte sich im Durchschnitt um 11,7 %. Übermäßige Regenfälle in den zentralen Maisanbaugebieten der Vereinigten Staaten sowie eine lang anhaltende Trockenzeit in weltweit wichtigen Gebieten für Weizenanbau sorgten für Befürchtungen über geringere Ernteerträge und infolgedessen für die Kurssteigerungen zur Monatsmitte. Mit Verbesserung der Wetterbedingungen fielen die Preise wieder auf das Niveau vom Monatsbeginn, denn trotz der kurzfristig ungünstigen Wetterbedingungen ist der Markt insgesamt gut versorgt und weit von Angebotsengpässen entfernt.

Der HWWI-Rohstoffpreisindex ist ein Produkt der HWWI Consult GmbH.

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