Pressemitteilung

04. September 2015

Preisrutsch an den Rohstoffmärkten setzt sich fort: Der HWWI-Index geht erneut stark zurück

Der HWWI-Rohstoffpreisindex ist auch im August drastisch gesunken und verringerte sich damit bereits den dritten Monat in Folge. Der Gesamtindex auf Dollar-Basis brach im Vergleich zum Vormonat um weitere 12,4 % (in Euro: -13,4 %) ein und markierte seinen geringsten Stand seit 6 ½ Jahren. Erneut dominierten merklich sinkende Ölpreise die Indexbewegung: der Index für Energierohstoffe reduzierte sich um 14,6 % (in Euro: -15,6 %). Auch ungeachtet der Energiepreise zeigte die Preisentwicklung nach unten. Der Index ohne Energie sank im August um 4,5 % (in Euro: -5,6 %), denn sowohl die Preise für Industrierohstoffe als auch für Nahrungs- und Genussmittel sanken im vergangenen Monat. Die zugehörigen Indices fielen um 3,9 % (in Euro: -5,1 %) respektive um 5,7 % (in Euro: -6,9 %). Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist der HWWI-Rohstoffpreisindex damit um 47,6 % (in Euro: -37,3 %) zurückgegangen.

Index für Energierohstoffe: -14,6 % (in Euro: -15,6 %)
Der Markttrend der letzten drei Monate setzte sich auch im August fort. Zwar gab es in den letzten zwei Handelstagen des Monats Kursausschläge nach oben, dennoch gaben die Rohölpreise im Monatsdurchschnitt um 15,3 % nach. Der Preis der für den europäischen Markt zentralen Sorte Brent verringerte sich im Vergleich zu Juli um 15,0 % auf durchschnittlich 48,38 US-Dollar pro Barrel. Die amerikanische Referenzsorte WTI verbilligte sich im Monatsdurchschnitt um 16,5 % auf 42,89 US-Dollar pro Fass und auch Dubai-Öl, die Leitsorte für Öl aus dem Nahen Osten, wurde um 14,3 % vergünstigt gehandelt. Im Vergleich zum Hochstand im Juni 2014 sind die Rohölpreise damit um durchschnittlich 57,5 % zurückgegangen. Wie in den vorangegangenen Monaten bestimmte auch im August das persistente Überangebot am Ölmarkt die Preisentwicklung. Die internationale Energieagentur (IEA) sprach Mitte des Monats gar von „halsbrecherischer Geschwindigkeit“ mit der das Angebot wachse. Die Gründe für diese Situation sind vielfältig. Zum einen fördert die OPEC derzeit nahe an Rekordhöhen. Besonders Saudi Arabien, der weltweit größte Ölproduzent und Ölexporteur, und der Irak haben ihre Produktion ausgeweitet. Zum anderen zeigt sich die amerikanische Rohölproduktion trotz gesunkener Preise und entgegen vieler Markterwartungen robust. Obwohl das in den USA betriebene Fracking als tendenziell teure Fördertechnik gilt, scheint die Produktion davon unbeeindruckt. Die USA haben in den vergangenen 6 Jahren ihre Rohölförderung - auch mit Hilfe von Fracking - nahezu verdoppelt. Zusätzlich könnte der Iran als weiterer Akteur im Zuge des möglichen Wegfalls der Wirtschaftssanktionen in Zukunft mit seinem Öl in den bestehenden Angebotsüberhang hinzustoßen. Zwar zieht auch die Nachfrage infolge der niedrigen Preise an, jedoch nicht in ausreichendem Maß um den Überschuss auszugleichen. Die Kapriolen an den chinesischen Börsen haben darüber hinaus das Vertrauen in die chinesische Wirtschaft geschwächt, die in der letzten Dekade der dominante Treiber steigender Ölnachfrage war.

Index für Industrierohstoffe: -3,9 % (in Euro: -5,1 %)
Auch die Industrierohstoffe befanden sich im August in einem Abwärtssog und verbuchten reihenweise Tiefstände. Kupfer fiel zwischenzeitlich unter die Grenze von 5.000 US-Dollar je Tonne und damit auf einen 6-Jahres-Tiefstand, Nickel wurde so niedrig wie seit März 2009 nicht mehr gehandelt und auch die übrigen NE-Metalle verzeichneten langjährige Tiefstwerte. Lediglich der Eisenerzpreis konnte sich vom Tiefstand im Juli leicht wegbewegen und handelte im Monatsdurchschnitt um 1,0 % teurer. Angezogen von hohen Preisen in den letzten Jahren und den dadurch induzierten Investitionen in neue Kapazitäten haben sich in den Märkten strukturelle Überschüsse gebildet, die auf geringer als erwartete Nachfrage treffen. Die künstliche Abwertung der chinesischen Währung im vergangenen Monat gab einen zusätzlichen Preisimpuls nach unten: Bei schwächerem Wechselkurs werden die Einfuhren teurer und vermindern diese damit tendenziell. Dabei ist China mit über 40 % der weltweiten Nachfrage nach Industriemetallen einflussreichster Akteur auf dem Markt.

Index für Nahrungs- und Genussmittel: -5,7 % (in Euro: -6,9 %)
Die Aussichten auf gute Ernteerträge haben die Weltmarktpreise für Nahrungsmittel im August sinken lassen. Die überraschend positive Ernteprognose des US-amerikanischen Agrarministeriums (USDA), die teilweise Rekorderträge prognostizierte, ließ die Preise sinken. Der Weizenpreis ging um 11,0 % zurück, Mais wurde durchschnittlich um 9,6 % günstiger gehandelt und Gerste verbilligte sich um 7,3 % im Vergleich zum Juli. Auch die Preise für Ölsaaten und Öle fielen: Sojabohnen verbilligten sich im Monatsvergleich um 6,9 %. Der Palmölpreis brach gar um 14,3 % ein. Das steigende Angebot aus Malaysia und Indonesien, zusammen für 85 % der globalen Palmöl-Produktion verantwortlich, und eine schwächere Nachfrage ließen den Preis sinken.



Der HWWI-Rohstoffpreisindex ist ein Produkt der HWWI Consult GmbH.


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