Pressemitteilung

06. Oktober 2015

Preiseinbruch kommt zum Stehen: Der HWWI-Rohstoffpreisindex stabilisiert sich

Nach dem Rückgang von annähernd 22 % von Mai bis August, hat sich der HWWI-Index für Rohstoffpreise im September stabilisiert und notiert unverändert auf demselben Niveau wie im Vormonat. Damit scheint der Abwärtstrend, der den Index auf ein 6 ½-Jahrestief führte, zunächst gestoppt. Wegen des im Monatsdurchschnitt leicht stärkeren Euros verringerte sich der Gesamtindex in Euro-Notation um 0,9 %. Rohwaren bleiben weiterhin so günstig wie seit vielen Jahren nicht mehr. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist der HWWI-Rohstoffpreisindex um 45,3 % (in Euro: -37,1 %) gefallen. Die Rohölpreise haben im vergangenen Monat vorerst ein stabiles Niveau gefunden; der Index für Energierohstoffe zeigt mit +0,2 % (in Euro: -0,7 %) entsprechend wenig Veränderung zum Vormonat. Auch die Preise für Industrierohstoffe zeigen sich im September gefestigt, sodass sich der Index für Industrierohstoffe leicht um 0,4 % (in Euro: -0,4 %) erhöht. Lediglich Nahrungs- und Genussmittel wurden günstiger als im August gehandelt. Der zugehörige Index sinkt um 3,4 % (in Euro: -4,1 %). 

Index für Energierohstoffe: +0,2 % (in Euro: -0,7 %)
Nach drei Monaten mit erheblichen Kursverlusten stabilisierten sich im September die Ölmärkte. Die Notierungen der wichtigen Referenzsorten haben sich leicht heterogen entwickelt, verglichen mit den Vormonaten fallen die Preisveränderungen jedoch moderat aus. Rohöl der europäischen Sorte Brent notierte im Monatsdurchschnitt mit +0,3 % bei 48,54 US-Dollar pro Barrel, die amerikanische Leitsorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 6,1 % auf 54,52 US-Dollar und der Preis für Dubai-Öl sank um 4,7 % auf 45,89 US-Dollar pro Fass. Damit stieg der Öl-Durchschnittspreis leicht um 0,4 %. Die Akteure auf dem Ölmarkt versuchen sich mit den seit Juni letzten Jahres gesunkenen Preisen zu arrangieren. Reihenweise werden milliardenschwere langfristige Investitionsprojekte verschoben oder sogar gänzlich eingestellt. Die gefallenen Preise und die Aussicht auf ein potentiell anhaltend niedriges Preisniveau lassen viele Produzenten Abstand von kostenintensiven Projekten nehmen. Dies wird aller Voraussicht nach auch die bisher erstaunlich robuste amerikanische Schieferölproduktion betreffen, die Anzahl der Schieferöl-Bohranlagen sinkt in 2015 kontinuierlich. Die Internationale Energie Agentur (IEA) prognostiziert für 2016 etwa einen Abfall der Nicht-OPEC-Produktion von 500 Tsd. Barrel pro Tag; dies wäre ein Schritt zum Abbau des aktuell persistenten Angebotsüberhangs. Die Nachfrage nach Erdöl zieht zwar derzeit wegen der gesunkenen Preise etwas an, dennoch bleiben die weltweiten Öllager voll und auf Rekordniveau. Der Lagerbestand in den OECD-Ländern wird auf derzeit etwa 2,9 Mrd. Barrel geschätzt.

Index für Industrierohstoffe: +0,4 % (in Euro: -0,4 %)
Auch die Preise der Industrierohstoffe haben im September, nach Monaten mit teilweise starken Preisrückgängen, vorerst einen Boden gefunden. Der Index für NE-Metalle steigt moderat um 1,6 % (in Euro: +0,9 %) und damit zum ersten Mal seit nunmehr vier Monaten. Aluminium, Kupfer und Zinn notierten im Plus, während die Preise für Nickel und Zink im Monatsdurchschnitt zurückgingen. Der Eisenerzpreis stieg um 1,9 % auf 56,47 US-Dollar pro Tonne. Bergbauunternehmen weltweit stehen unter steigendem Kostendruck, stellen Investitionen ein und kämpfen damit gegen gesunkene Preise und zaghafte Nachfrage. So spüren auch die Exportnationen, beispielsweise Australien oder Südafrika, von sogenannten „harten Rohstoffe“ das gesunkene Preisniveau. Die Ausfuhrlöse sind drastisch gefallen und die Währungen der Exportländer haben an Wert verloren. Nach einem langen Rohstoffboom der etwa in den frühen 2000er Jahren an Fahrt gewann und insbesondere durch Nachfragewachstum aus China stimuliert wurde, ist der Markt nun gezwungen sich mit den geänderten Bedingungen niedriger Preise zurechtzufinden.

Index für Nahrungs- und Genussmittel: -3,4 % (in Euro: -4,1 %)
Umfangreiches Angebot und ein starker US-Dollar lassen den Abwärtsdruck auf den Nahrungsmittelmärkten anhalten. Getreide, Öle und Ölsaaten sowie Genussmittel wurden im vergangenen Monat günstiger gehandelt. Der Index für Nahrungs- und Genussmittel fällt damit im September auf den geringsten Stand seit März 2009. In den vergangenen drei Jahren haben sich jeweils neue Rekordernten realisiert. Gute Wetterbedingungen, zusätzliche Anbauflächen und erhöhte Erträge pro Fläche ließen das Angebot stetig steigen. Die Nachfrage ist nicht im gleichen Maß mitgestiegen. Als Ergebnis wird mit Rekordlagerbestände gerechnet: Der Lagerbestand an Weizen wird beispielsweise auf den höchsten Stand seit 29 Jahren prognostiziert. Kurzfristige Preisrisiken verbleiben derzeit jedoch für Kakao, der sich im Gegensatz zum Markttrend im letzten Monat um 3,9 % verteuert hat. Das Wetterphänomen El Niño, das tendenziell zu Trockenheit in Westafrika führt, bedroht Teile der weltweit wichtigsten Anbaugebiete und könnte zu einem Angebotsrückgang führen.



Der HWWI-Rohstoffpreisindex ist ein Produkt der HWWI Consult GmbH.

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