Pressemitteilung

04. November 2015

Stillstand an den Rohstoffmärkten: HWWI-Rohstoffpreisindex verharrt auf niedrigem Niveau

Der HWWI-Rohstoffpreisindex stieg im Oktober im Vergleich zum Vormonat nur geringfügig. In Dollar-Notation belief sich der Anstieg des Gesamtindex auf +0,4 % (in Euro: +0,3 %). Somit verblieb der Index auch im Oktober nahe seines im August erreichten 6 ½ Jahres-Tiefstandes. Damit scheinen die Preise für Rohwaren vorläufig eine untere Niveaugrenze erreicht zu haben. Im Vergleich zum Vorjahresmonat notiert der HWWI-Rohstoffpreisindex um 39,9 % (in Euro: -32,2 %) geringer. Die Preise für Rohöl zeigten sich im vergangenen Monat gefestigt und der Index für Energierohstoffe stieg mit +0,8 % (in Euro: +0,7 %) lediglich moderat an. Industrierohstoffe hingegen wurden im Oktober günstiger gehandelt, sodass sich der betreffende Index um 2,4 % (in Euro: -2,6 %) verringerte. Für Nahrungs- und Genussmittel musste im Oktober mehr als im Vormonat bezahlt werden. Der zugehörige Index stieg als Folge um 2,8 % (in Euro: +2,7 %).


Index für Energierohstoffe: +0,8 % (in Euro: +0,7 %)

Die Rohölpreise stiegen im Monatsdurchschnitt leicht an: Der Preis der internationalen Referenzsorte Brent stieg im Oktober um 1,8 % auf 49,40 US-Dollar pro Barrel, Öl der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) verteuerte sich um 1,7 % auf 46,30 US-Dollar/b und der Preis für Dubai-Öl stieg um 0,2 % auf 46 US-Dollar/b. Zwar waren im Monatsverlauf nach Meldungen über geringer als erwartete US-amerikanische Lagerbestände kurzfristige Preissprünge von fast 6 % zu beobachten, diese Preissignale hatten jedoch nur temporären Einfluss und die Ölpreise kehrten auf das vorherige Niveau zurück.
Die Anpassungsmaßnahmen der Ölindustrie an das gefallene Preisniveau sind weiterhin in vollem Gange. Es werden reihenweise Investitionen in neue potentiell kostenintensivere Förderprojekte um Jahre nach hinten verschoben oder sogar gänzlich gestoppt. Diese Restrukturierungen sowie Anpassungen weiterer Kostenstrukturen sind als Anzeichen dafür zu werten, dass sich die Ölproduzenten nunmehr auf mittel- bis langfristig niedrige Preise einstellen. Nach Jahren mit Preisen über der Marke von 100 US-Dollar pro Barrel bringen die derzeitigen Einnahmen von unter 50 US-Dollar pro Fass Ölunternehmen und auch ganze Ölförderländer unter erheblichen finanziellen Druck. Die zurückgestellten Investitionsmaßnahmen werden zwar das zukünftige Angebot beeinflussen, jedoch haben sie kurzfristig nur wenig Einfluss auf das bestehende Überangebot im Markt. Es wird gegenwärtig weiterhin mehr Öl gefördert als verbraucht, und das obwohl die Nachfrage aufgrund der gesunken Preise jüngst stark angestiegen ist. Laut Prognosen der Internationalen Energie Agentur (IEA) ist es wahrscheinlich, dass der Angebotsüberhang auch im Jahr 2016 bestehen bleibt.


Index für Industrierohstoffe: -2,4 % (in Euro: -2,6 %)

Umfangreiches Angebot und schwächere Wirtschaftsdaten aus China ließen die Preise fallen und den Index für Industrierohstoffe auf seinen geringsten Stand seit April 2009 absinken. Alle Teilindizes verbuchten dabei Rückgänge. Insbesondere Eisenerz und Stahlschrott standen im Oktober unter Druck. Eine schwächere Stahlnachfrage in China ließ die Preisnotierungen sinken. US-amerikanischer Stahlschrott verbuchte Rückgänge von 15,1 %, das europäische Pendant verbilligte sich um 14,5 %. Eisenerz, der wichtigste Bestandteil in der Rohstahlerzeugung, wurde im Vergleich zum Vormonat mit durchschnittlich 52,74 US-Dollar pro Tonne um insgesamt 6,6 % günstiger gehandelt. Zum Vergleich: Anfang letzten Jahres erzielte in Tianjin angelandetes Eisenerz, die internationale Referenz, noch Preise von 135 US-Dollar pro Tonne. Der Abwärtsdruck ist jedoch nicht alleinig auf nachfrageseitige Komponenten zurückzuführen. Auch von der Angebotsseite sind vorerst keine Preissignale nach oben zu erwarten. Unter anderem verkündete BHP Billiton, eine der weltgrößten Bergbaugesellschaften, für Oktober einen Produktionsrekord von Eisenerz. Darüber hinaus wurde in Australien mit der Roy Hill - Mine eine riesige neue Förderstätte fertiggestellt; die Produktion wird voraussichtlich noch dieses Jahr anlaufen und damit zusätzliches Angebot in den ohnehin schon überversorgten Markt tragen.


Index für Nahrungs- und Genussmittel: +2,8 % (in Euro: +2,7 %)

Bis auf wenige Ausnahmen verteuerten sich im Oktober alle im Index notierten Nahrungs- und Genussmittel. Der Weizenpreis stieg um durchschnittlich 4 % infolge von Trockenheit im Mittleren Westen der USA und den damit verbundenen Sorgen bezüglich der inzwischen ausgesäten Winterweizenernte. Besondere starke Preissteigerungen wurden im Oktober bei Zucker verzeichnet. Der Preis erhöhte sich im Monatsvergleich um 25 %. Starke Regenfälle in Brasilien, mit 40 % der Weltproduktion der größte globale Zuckerproduzent, behinderten die Ernte und wirkten sich negativ auf den Pflanzenstatus aus.


 

 

Der HWWI-Rohstoffpreisindex ist ein Produkt der HWWI Consult GmbH.

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