Pressemitteilung

06. Januar 2016

HWWI-Rohstoffpreisindex fällt zum Jahresabschluss auf 11½-Jahres-Tief

Der HWWI-Rohstoffpreisindex beendet das Jahr 2015 analog zur bisherigen Jahresentwicklung. Im Dezember fiel der Gesamtindex um weitere 11,6 % (in Euro: -12,7 %) und unterbot so selbst die Notierungen während der Wirtschafts- und Finanzkrise der Jahre 2008/09. Der Index markierte damit seinen niedrigsten Stand seit Juli 2004. Auch die einzelnen Teilindizes verbuchten durchweg Tiefstände. Ausschlaggebend für den Rückgang des Gesamtindex waren insbesondere die stark gefallenen Preise für Rohöl. Der Index für Energierohstoffe fiel dementsprechend um 15,0 % (in Euro: -16,0 %) im Vergleich zum Vormonat. Aber auch der Index ohne Energie musste Verluste von 1,1 % (in Euro: -2,3 %) hinnehmen. Gleichermaßen verringerte sich auch der Index für Industrierohstoffe und fiel im Dezember um insgesamt 1,4 % (in Euro: -2,6 %) auf seinen geringsten Stand seit über 6½ Jahren. Darüber hinaus gab auch der Index für Nahrungs- und Genussmittel leicht nach. Im Vergleich zum Vormonat fiel er um 0,5 % (in Euro: -1,7 %). Das Jahr 2015 war mit seinen extremen Preisrückgängen ein beispielloses Krisenjahr für den Rohstoffsektor. Verglichen mit dem Jahresdurchschnitt von 2014 ist der HWWI-Rohstoffpreisindex in 2015 um insgesamt 41,5 % (in Euro: -29,7 %) eingebrochen. Das ist der stärkste Jahresverlust seit Beginn des HWWI-Rohstoffpreisindex im Jahr 1960.

Index für Energierohstoffe: -15,0 % (in Euro: -16,0 %)
Der Ölmarkt blieb auch im Dezember unter Druck und es wurden neue Tiefstände erreicht. Der Preis für die weltweit wichtigste Referenzsorte Brent fiel im Monatsdurchschnitt um 15,2 % auf 39,04 US-Dollar pro Barrel. WTI-Öl - die Referenz für Öl aus den USA - notierte mit durchschnittlich 37,18 US-Dollar pro Fass um 13,6 % geringer und Rohöl aus dem Nahen Osten verzeichnete einen Rückgang um 18,3 % auf durchschnittlich 34,44 US-Dollar pro Barrel. Angeregt wurde diese jüngste Entwicklung vornehmlich durch das Treffen der OPEC-Mitgliedsstaaten zu Anfang des Monats. Bei der Sitzung in Wien wurden keine Produktionskürzungen beschlossen, obwohl diese von manchen Mitgliedern gefordert wurden, um den globalen Angebotsüberhang zu mindern und den Ölpreis damit zu unterstützen. Den Verlautbarungen nach setzte sich Saudi-Arabien - die stärkste Macht innerhalb der OPEC - mit seiner Linie durch, trotz des immensen Preisverfalls keine Kürzung der Förderquoten vorzunehmen. Im Gegenteil: Es wurde nicht einmal die bis dahin anvisierte Fördermenge von 30 Millionen Barrel pro Tag bestätigt, sondern auf jegliche offizielle Zielgröße verzichtet. De facto hatte sich die OPEC-Förderung der letzten Monate sogar gesteigert und stets über der bis dahin geltenden Zielmenge gelegen. Diese Strategie ist mit der Hoffnung verbunden, Konkurrenz mit höheren Produktionskosten aus dem Markt drängen und zukünftige Marktanteile zu erlangen, auch wenn dafür zeitweise niedrige Preise und geringe Einnahmen in Kauf genommen werden müssen. Im Nachgang des OPEC-Treffens rutschten die Ölpreise infolgedessen ab. Hinzu kamen Anzeichen einer baldigen Rückkehr des Iran an den internationalen Ölmarkt und damit einer potentiell weiteren Verstärkung des weltweiten Überangebots. Brent-Öl fiel zeitweise auf einen 11-Jahres-Tiefstand.


Index für Industrierohstoffe: -1,4 % (in Euro: -2,6 %)
Die Preise für Industrierohstoffe fielen auch im Dezember und der zugehörige HWWI-Index fiel auf sein niedrigstes Niveau seit März 2009. Maßgeblich für den Rückgang waren erneut Preisschwächen der NE-Metalle sowie von Eisenerz und Stahlschrott. Die Preise für agrarische Rohstoffe konnten hingegen mit +1,2 % leicht zulegen. Die Gründe für die Flaute an den Metallmärkten sind dieselben wie in den Vormonaten. Ein großes Angebot trifft auf schwächer als erwartete Nachfrage. Rohstoffproduzenten hatten in den hochpreisigen Jahren der letzten Dekade, und im Vertrauen auf starkes Wachstum des chinesischen Markts, viele neue Förderprojekte initiiert und Minen eröffnet. Nun, da die Wirtschaft der Volksrepublik verglichen mit den Vorjahren schwächelt, hat sich ein gewaltiger Angebotsüberhang gebildet, der schon seit einiger Zeit stark auf die Preise drückt. Der Eisenerzpreis fiel im Dezember um 14,7 % auf unter 40 US-Dollar pro Tonne; ein Preisniveau, dass es seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr gegeben hat. Auch die Preise für wichtige Industriemetalle wie Kupfer, Nickel und Zink gaben mit -3,8 %, -5,8 % und -4,1 % kräftig nach. Damit erreichten die Monatsdurchschnittspreise von Kupfer und Zink ihr geringstes Niveau seit Mai 2009, Nickel gar seit März 2003.


Index für Nahrungs- und Genussmittel: -0,5 % (in Euro: -1,7 %)
Wenig Bewegung gab es an den Märkten für Nahrungs- und Genussmittel. Der Kaffeepreis fiel um durchschnittlich 0,4 %, Kakao verbilligte sich um 0,3 % und Tee um 1,7 %. Der Teilindex für Genussmittel fiel damit um 0,3 %. Ebenso ging der Index für Ölsaaten und Öle mit -1,3 % leicht zurück. Getreide verteuerte sich hingegen im Dezember geringfügig. Insbesondere wegen gestiegener Gerstenpreise erhöhte sich der Index für Getreide um insgesamt 0,3



Der HWWI-Rohstoffpreisindex ist ein Produkt der HWWI Consult GmbH.

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