Pressemitteilung

06. Juni 2016

HWWI-Rohstoffpreisindex steigt im vierten Monat in Folge

- HWWI-Gesamtindex stieg im Mai um 9 % (Dollarbasis)
- Liegt aber noch um rund 21,8 % unter dem Vorjahresstand
- Im Monatsverlauf Mai kostete Brentöl zeitweise über 50 $ pro Barrel

(Hamburg, 06. Juni 2016) Der HWWI-Rohstoffpreisindex hat sich im Mai kräftig erhöht. Nachdem der Index in den drei Monaten zuvor gestiegen war, setzte sich der Anstieg auch im Mai fort. So verzeichnete der Gesamtindex in Dollar-Notierung einen Anstieg im Monatsvergleich um 9 % (in Euro: +9,4 %). Ein Großteil dieser Aufwärtsbewegung erklärt sich durch Preissteigerungen bei Rohstoffen für Nahrungsmittel und bei Rohöl. Während der Index für Energierohstoffe um 11,7 % (in Euro: +12,1 %) stieg, erhöhte sich der Index für Nahrungs- und Genussmittel um 7 % (in Euro: +7,4 %). Vor allem Sojaschrot verteuerte sich um 25,6 % (in Euro: +26,1 %) außergewöhnlich stark. Dagegen verbilligten sich im Index Eisenerz, NE-Metalle und Kautschuk. So sank der Index für Industrierohstoffe um 1 % (in Euro: -0,7 %).

Index für Energierohstoffe: +11,7 % (in Euro: +12,1 %)
Produktionsausfälle in Venezuela, Nigeria und Kanada haben dazu geführt, dass der Preis für die europäische Leitsorte Brent zwischenzeitlich auf über 50 US-Dollar pro Barrel gestiegen ist. Im Monatsdurchschnitt Mai lag Brentöl bei 47,74 US-Dollar pro Barrel und damit um 10,5 % (in Euro: +10,9 %) höher als im April. Im Vergleich dazu lagen im Januar die Notierungen für Rohöl noch bei unter 30 US-Dollar und waren auf den tiefsten Stand seit über einer Dekade gefallen. In Kanada hatten im Verlaufe des Monats Mai schwere Waldbrände dazu geführt, dass dort die Ölförderung zu einem großen Teil gestoppt werden musste. In Nigeria wurde die Ölförderung aufgrund von Unruhen heruntergefahren und erreichte einen so niedrigen Stand wie seit 22 Jahren nicht mehr. Die Ölproduktion in Venezuela ist von der Wirtschaftskrise im Land negativ betroffen. So behindern Stromausfälle die Ölförderung. Neben den Angebotsausfällen in wichtigen Ölproduzentenländern wirkten auch niedrigere Öllagerbestände in den USA preissteigernd. Die Preisanstiege beim Öl blieben jedoch aufgrund einer höheren Ölproduktion in der OPEC gedeckelt. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass der Iran nach dem Wegfall von internationalen Sanktionen seine Ölförderung massiv erhöht hat. Laut der Internationalen Energieagentur erreichte der Iran im April eine Ölproduktion von 3,7 Mio. Barrel pro Tag, so viel wie zuletzt im November 2011.

Index für Industrierohstoffe: -1 % (in Euro: -0,7 %)
Nachdem die Preise für Industrierohstoffe drei Monate hintereinander angestiegen waren, sanken sie im Monatsdurchschnitt Mai. Insbesondere Eisenerz um 8,1 % (in Euro: -7,8 %) und Kautschuk um 7,9 % (in Euro: -7,7 %) verbilligten sich. Mit der Ausnahme von Zink, das sich leicht um 1,4 % (in Euro: +1,7 %) verteuerte, gaben die Preise für NE-Metalle nach. So sank der Index für NE-Metalle um 1 % (in Euro: -0,7 %). Vor allem Kupfer verbilligte sich um 2,6 % (in Euro: -2,3 %), da die chinesische Kupfernachfrage nachließ. Beim Kautschuk wirkte die Aussicht auf einen Angebotsüberschuss auf dem internationalen Kautschukmarkt preissteigernd. Im April hatte sich Kautschuk noch um 14,5 % verteuert, was im Mai auch einige Anleger dazu veranlasste, über Kautschukverkäufe Gewinne mitzunehmen. Eisenerz hatte sich zuvor vier Monate hintereinander verteuert und verbilligte sich nun, da mit Hilfe einer neuen Regulierung an der chinesischen Rohstoffbörse Dalian Commodity Exchange der Handel von Eisenerz eingeschränkt wurde, um starken Preisausschlägen aufgrund von Spekulation vorzubeugen. Gleichzeitig wirkte auch der Angebotsüberhang auf dem Stahlmarkt preissenkend, da er die Aussichten für die zukünftige Eisenerznachfrage verschlechtert. Von Anfang bis Ende Mai hat sich Eisenerz um rund 24 % verbilligt.

Index für Nahrungs- und Genussmittel: +7 % (in Euro: +7,4 %)
Seit März 2014 war der Index für Nahrungs- und Genussmittel nicht mehr so stark gestiegen wie im Monatsdurchschnitt Mai. Für den Anstieg waren in erster Linie steigende Preise bei Ölsaaten und Öle ausschlaggebend, die sich um 13,8 % (in Euro: +14,2 %) verteuerten. Außerordentlich starke Preisanstiege in Höhe von 25,6 % (in Euro: +26,1 %) verzeichnete Sojaschrot, da sich die Ernteaussichten in wichtigen Anbaugebieten für Sojabohnen in Südamerika verschlechterten. Der Sojabohnenpreis lag Ende Mai mit 1.086,5 US-Cents je Scheffel so hoch wie zuletzt im August 2014. Das US-amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) hatte in seinem Bericht vom Mai einen globalen Abbau der Lagerbestände von rund 3,8 Mio. Tonnen für die Erntesaison 2015/16 prognostiziert. Zuvor war das USDA noch von einem Lageraufbau ausgegangen. Beim Getreide stiegen im Mai vor allem die Preise für Reis um 9,9 % (in Euro: +10,3 %) und Mais um 5 % (5,3 %) an. Das Reisangebot ist betroffen von einer Trockenheit in Südostasien und das Maisangebot von ungünstigen Wetterverhältnissen in Brasilien. Zudem wurde beim Mais spekuliert, dass aufgrund der kräftig gestiegenen Sojabohnenpreise Farmland in den USA zunehmend von Mais hin zu Sojabohnen umgewidmet werden könnte. Bei den Genussmitteln führten Nachrichten, Zucker könnte sich zunehmend verknappen, zu einem Preisanstieg von 11,7 % (in Euro: 12,1 %).

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Der HWWI-Rohstoffpreisindex ist ein Produkt der HWWI Consult GmbH.

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