07. Juli 2016

HWWI-Rohstoffpreisindex verzeichnet fünftes Plus in Folge

- HWWI-Gesamtindex stieg im Juni um 3,7 % (Dollarbasis)
- Liegt aber noch um rund 17,4 % unter dem Vorjahresstand
- Ölsaaten, pflanzliche Öle verteuerten sich im Index am stärksten

(Hamburg, 07. Juli 2016) Der HWWI-Rohstoffpreisindex setzte im Juni seine Aufwärtsbewegung fort. Damit stieg der Index im fünften Monat in Folge und notierte um 42,6 % (in Euro: +37,9 %) höher als im Monatsdurchschnitt Januar. Im Vergleich zum Mai lag der Anstieg bei 3,7 % (in Euro: +4,4 %). Insgesamt wäre der Anstieg im Juni noch stärker ausgefallen, wenn gegen Ende des Monats die Entscheidung Großbritanniens, die EU zu verlassen, die Rohstoffpreise nicht belastet hätte. Marktakteure auf den Rohstoffmärkten befürchteten, dass davon das Wachstum der Weltwirtschaft negativ betroffen werden könnte. Insgesamt stieg der HWWI-Rohstoffpreisindex im Juni aber vor allem aufgrund höherer Preise bei den Nahrungs- und Genussmitteln sowie bei den Energierohstoffen. Während der Index für Energierohstoffe um 4,5 % (in Euro: +5,1 %) stieg, gewann der Index für Nahrungs- und Genussmittel um 5,6 % (in Euro: +6,3 %) hinzu. Dagegen gaben die Preise für Industrierohstoffe um 0,5 % (in Euro: +0,2 %) leicht nach. Vor allem sank dabei der Index für Eisenerz und Stahlschrott um 6 % (in Euro: -5,3 %).

Index für Energierohstoffe: +4,5 % (in Euro: +5,1 %)
In der ersten Monatshälfte hatten Erwartungen, dass Kanada nach den Waldbränden wieder seine Ölförderung kräftig nach oben fährt, preissenkend beim Rohöl gewirkt. Auch entschieden sich die OPEC-Länder auf ihrer Sitzung am 2. Juni in Wien, keine Förderkürzungen vorzunehmen, so dass angebotsseitig kein weiterer Aufwärtsdruck beim Ölpreis entstand. Doch die steigende weltweite Rohölnachfrage, die zunehmend das Überangebot auf dem Ölmarkt aufnimmt, war zum großen Teil verantwortlich für weiter steigende Ölpreisnotierungen. Während sich die europäische Leitsorte Brent im Juni um 4,5 % (in Euro: 5,2 %) verteuerte, stieg der Preis für das US-amerikanische WTI-Öl um 4 % (in Euro: +4,6 %). Drohende Streiks in der norwegischen Ölförderindustrie lösten Preissteigerungen beim Brentöl aus. Doch gegen Ende des Monats Juni führte das Brexit-Votum der Briten zu größerer Unsicherheit auf dem Ölmarkt. Infolge dessen sank der Brentölpreis vorübergehend um 5,3 % (in Euro: -2,5 %), erholte sich jedoch wieder und pendelte sich an den beiden letzten Handelstagen im Juni bei rund 50 US-Dollar ein.

Index für Industrierohstoffe: -0,5 % (in Euro: +0,2 %)
Die einzelnen Rohstoffe im Index für Industrierohstoffe entwickelten sich im Juni zum Teil sehr unterschiedlich. Während der Index für Eisenerz und Stahlschrott um 6 % (in Euro: -5,3 %) nachgab, stieg der Index für NE-Metalle um 1,2 % (in Euro: +1,9 %). Auch die Entwicklung der einzelnen NE-Metalle war sehr verschieden: Dem Anstieg von 7,8 % (in Euro: +8,5 %) beim Zink stand ein Rückgang von 2 % (in Euro: -1,3 %) beim Kupfer gegenüber. Zink stieg im Juni auf ein Einjahreshoch und notierte Ende des Monats bei über 2.100 US-Dollar pro Tonne, was einem Plus von 45,6% (in Euro: +41,7 %) gegenüber Mitte Januar entsprach, als für eine Tonne weniger als 1.455 US-Dollar bezahlt wurde. Die Preisanstiege beim Zink sind vor allem auf ein knapperes Angebot zurückzuführen. Es wirken sich nun Produktionskürzungen aus dem Jahr 2015 aus, als größere Minen in Irland und Australien geschlossen wurden. Einzelne Marktakteure erwarten, dass sich dieser Kapazitätsabbau in der näheren Zukunft noch fortsetzen könnte. Sowohl der Kupfer- als auch der Eisenerzpreis sanken dagegen aufgrund der nachlassenden Industrieproduktion in China. Die globale Nachfrage für Eisenerz wird stark durch die Entwicklung in der chinesischen Stahlindustrie beeinflusst.

Index für Nahrungs- und Genussmittel: +5,6 % (in Euro: +6,3 %)
Seit Juni 2015 erhöhte sich der Index für Nahrungs- und Genussmittel um 10,4 %. Besonders in den letzten Monaten waren beim Index Preisanstiege zu beobachten. So notierte er im Monatsdurchschnitt Juni 2016 im Vergleich zum vorangegangenen Februar um 21,3 % (in Euro: 19,9 %) höher. Zu der Aufwärtsentwicklung im Juni trugen vor allem Mais mit einem Preisanstieg um 4,9 % (in Euro: +5,5 %), Kaffee um 6,1 % (in Euro: +6,8 %) und Sojabohnen um 8 % (in Euro: +8,7 %) bei. Größere Ernteausfälle beim Mais in Brasilien aufgrund schlechter Wetterbedingungen wirkten auf dem Getreidemarkt preissteigernd. Gegen Ende Juni setzten aber beim Mais starke Preisrückgänge ein, als das US-amerikanische Agrarministerium mitteilte, die Anbaufläche für Mais sei in den USA kräftig gestiegen und die Maislagerbestände lägen über den Erwartungen. Der Sojabohnenpreis wurde im Juni durch eine gestiegene Nachfrage aus China nach Sojabohnenmehl für Tierfutter getrieben. Zusätzlich wirkten bei den Sojabohnen Ernteausfälle aufgrund von starken Regenfällen in Südamerika preissteigernd. Der Kaffeepreis stieg auf ein Hoch, das zuletzt im April 2015 erreicht wurde. Grund dafür waren starke Regenfälle in Brasilien. Der weltweit größte Produzent von Arabica-Kaffee befürchtet, dass die Qualität der Kaffeebohnen wesentlich gelitten hat.

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