10. August 2016

HWWI-Rohstoffpreisindex nach fünf Anstiegen in Folge wieder im Minus

- HWWI-Gesamtindex sank im Juli um 4,1 % (Dollarbasis)
- Energierohstoffe liegen um rund 17 % unter dem Vorjahresstand
- Getreide verbilligte sich im Index am stärksten

(Hamburg, 10. August 2016) Der HWWI-Rohstoffpreisindex beendete im Juli seine Aufwärtsbewegung und sank im Vergleich zum Juni um 4,1 % (in Euro: -2,7 %). Zuletzt ging der Index auf Monatsbasis im Januar zurück, als er auf ein Zwölfjahrestief zurückfiel. Im Vergleich zu diesem Tiefstand notierte der Index im Juli aber noch um rund 35 % (in Euro: +32 %) höher. Zu den jüngsten Rückgängen beim Index trugen vor allem Rohöl und Getreide bei. Während der Index für Energierohstoffe um 4,9 % (in Euro: -3,6 %) nachgab, sank der Index für Nahrungs- und Genussmittel um 4 % (in Euro: -2,6 %). Dagegen stiegen die Preise für Industrierohstoffe um 4,5 % (in Euro: +6 %) an. Dabei erhöhte sich vor allem der Index für Eisenerz und Stahlschrott um 7,6 % (in Euro: +9,2 %).

Index für Energierohstoffe: -4,9 % (in Euro: -3,6 %)
Der Preis für europäisches Rohöl Brent fiel im Monatsdurchschnitt Juli gegenüber dem Vormonat um 6,7 % und lag bei 46,6 US-Dollar pro Barrel. In der ersten Junihälfte hatte der Brentpreis rund 53 US-Dollar pro Barrel erreicht, während er Ende Juli nur noch bei 43,3 US-Dollar lag. Dies entspricht einem Rückgang von 17,8 %. Auf dem Ölpreis lasteten die hohen Lagerbestände in einigen Industrieländern und die kräftig ansteigende Ölförderung in Ländern wie Saudi-Arabien, Irak und Iran. So ist laut der Internationalen Energieagentur die Ölproduktion im Juni in den OPEC-Ländern auf ein Achtjahreshoch angestiegen. Darüber hinaus wirkte die Meldung des Öldienstleisters Baker Hughes, dass die Zahl der aktiven Ölbohrungen in den USA zum vierten Mal in Folge gestiegen ist, preissenkend. Dies nährte bei einzelnen Marktteilnehmern die Erwartung, die US-amerikanische Ölförderung könnte wieder signifikant zunehmen. Darüber hinaus fährt auch Kanada nach den verheerenden Waldbränden im Mai seine Ölproduktion wieder hoch. Das weltweit steigende Ölangebot machte es unwahrscheinlicher, dass der Angebotsüberschuss auf dem Ölmarkt in der zweiten Hälfte des Jahres 2016 abgebaut wird. Marktakteure reagierten darauf mit Rohölverkäufen, was sowohl den Preis für Brent als auch für die US-amerikanische Ölsorte WTI unter Abwärtsdruck setzte.

Index für Industrierohstoffe: +4,5 % (in Euro: +6 %)
Die einzelnen Rohstoffe im Index für Industrierohstoffe verteuerten sich überwiegend im Juli. Besondere Preiserhöhungen verzeichneten Baumwolle um 9,7 % (in Euro: +11,3 %), Eisenerz um 10,1 % (+11,7 %) und Nickel um 15 % (+16,7 %). Insgesamt stieg der Index für NE-Metalle um 4,7 % (+6,2 %) an. Bei Nickel trugen die Schließungen großer Minen auf den Philippinen zu den kräftigen Preisanstiegen bei. Als Grund hierfür wurde genannt, dass die Minenbetreiber gegen Umweltauflagen verstoßen hätten. Marktbeobachter befürchteten, dass die Schließungen zu einem An-gebotsengpass führen könnten, da die Philippinen ein zentraler Nickelexporteur sind. Beim Eisenerz wirkten überraschend hohe Produktionsraten in der chinesischen Stahlindustrie preissteigernd. Am letzten Handelstag im Juli notierte Eisenerz aber noch um 63 % niedriger als beim Hochstand im Februar 2013. Auf dem Baumwollmarkt löste das US-amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) Mitte des Monats Juli mit einem Report Preisanstiege aus, in welchem es seine Schätzungen für die weltweiten Lagerbestände bei Baumwolle nach unten korrigierte. Das USDA erklärte dies mit einer Erhöhung der weltweiten Baumwollnachfrage, während gleichzeitig das Angebot schwächer ausfällt als zuvor erwartet.

Index für Nahrungs- und Genussmittel: -4 % (in Euro: -2,6 %)
Nachdem der Index für Nahrungs- und Genussmittel im Monatsdurchschnitt Juni im Vergleich zum Februar 2016 um 21,3 % (in Euro: 19,9 %) höher notiert hatte, setzten im Juli Preisbewegungen nach unten ein, so dass er um 4 % (in Euro: -2,6 %) verlor. Vor allem fallende Maispreise trugen zu dieser Entwicklung bei. Sie gaben von allen Rohstoffpreisen im Index mit einem Minus von 16,2 % am stärksten nach. Sojaschrot verbilligte sich um 8,6 % (-7,3 %), während Kaffee sich um 4,7 % (+6,2  %) verteuerte. Der Maispreis sank aufgrund sehr guter Ernteaussichten in den USA auf fast 3,30 US-Dollar pro Scheffel und notierte so niedrig wie zuletzt im Oktober 2014. Das USDA prognostizierte in seinem Report von Ende Juni, dass 2016 die Maisanbaufläche um rund 7 % gegenüber dem Vorjahr ansteigen werde. Gleichzeitig waren im Juli die Wetterbedingungen für das Gedeihen der Maispflanzen im Mittleren Westen der USA, dem Korngürtel, vorzüglich. Dies verbesserte auch die Ernteaussichten bei den Sojabohnen und setzte den Preis für Sojaschrot unter Abwärtsdruck. Der Kaffeepreis stieg dagegen im Laufe des Monats Juli auf ein Hoch, das zuletzt im Februar 2015 erreicht wurde. Grund dafür war starker Regen in Brasilien. Dies könnte die Kaffeeernte beim weltweit größten Exporteur von Arabica-Kaffee erheblich reduzieren. Zudem wurde befürchtet, dass Frost die Lage in zentralen Anbaugebieten in Brasilien noch wesentlich verschlechtern könnte.

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