Pressemitteilung

10. Mai 2010

Überraschend starke Erholung der Rohstoffpreise

AIECE – Vereinigung Europäischer Konjunkturinstitute / Arbeitsgruppe Rohstoffpreise

Überraschend starke Erholung der Rohstoffpreise

Die Weltmarktpreise für Rohstoffe haben sich überraschend stark erholt. Der HWWI-Index, der auf US-Dollar-Basis zwischen Juli und Ende Dezember 2008 um zwei Drittel gesunken war, hat bis April 2010 rund 60 % der während der Krise erlittenen Verluste wettgemacht. Der Anstieg der Rohstoffpreise wird sich jedoch im weiteren Verlauf dieses Jahres und im nächsten Jahr verlangsamen. Die Stärke der Erholung nach der globalen Wirtschaftskrise ist mit fundamentalen Marktfaktoren allein schwer zu erklären. Dies legt nahe, dass zusätzlich Faktoren aus dem Bereich der Finanzmärkte eine Rolle spielten, die möglicherweise zumindest zum Teil vorübergehender Natur sind. Darüber hinaus sollten Angebotsreaktionen auf die gegenwärtig hohen Preise den Preisauftrieb in etlichen Märkten begrenzen. Dies sind die zentralen Ergebnisse des neuen Berichts der AIECE-Arbeitsgruppe Rohstoffpreise „World Commodity Prices 2010 to 2011“. Er basiert auf der Analyse von 29 Rohstoffpreisen und -märkten.

Seit Herbst 2009 haben sich die Weltmarktpreise für Rohstoffe von dem dramatischen Absturz im Zuge der Finanzkrise weiter erholt. Der HWWI-Index, der auf US-Dollar-Basis zwischen Juli und Ende Dezember 2008 um zwei Drittel gesunken war, hat bis April 2010 rund 60 % der während der Krise erlittenen Verluste wettgemacht. Der Preisanstieg erfolgte auf breiter Basis, mit der einzigen wesentlichen Ausnahme der Preise für Nahrungsmittel. Vor dem Hintergrund einer immer noch schwachen (wenn auch stärker werdenden) konjunkturellen Entwicklung muss der Auftrieb der Rohstoffpreise überraschen, so dass zusätzliche Einflüsse aus dem Bereich der Finanzmärkte eine Rolle spielen könnten.

Die Rohstoffpreisprognosen in dem vorgelegten Bericht basieren auf der Annahme, dass die Erholung der Weltwirtschaft weiterhin mit zwei unterschiedlichen Geschwindigkeiten erfolgt: Mit starkem Wachstum in den Schwellenländern, angeführt von China, und einem mäßigen Wachstum in den Industrieländern. Die globale Industrieproduktion wird sich zunehmend von dem tiefen Fall während der Krise erholen und sollte ihr Vorkrisenniveau im Laufe dieses Jahres übertreffen. Das Wachstum der Industrieproduktion wird hauptsächlich in Schwellenländern und „Newly Industrialized Economies“ stattfinden, insbesondere in China, während die Erholung des Industriesektors in den entwickelten Volkswirtschaften länger braucht und bis zum Ende dieses  Jahres noch nicht abgeschlossen sein wird.

Im Prognosezeitraum wird ein weiterer Anstieg der Rohstoffpreise, gemessen am HWWI-Index auf Dollarbasis, erwartet, wenn auch in einem langsameren Tempo als bisher. Der Aufwärtstrend ist fast allein auf die anhaltende Stärke der Energiepreise zurückzuführen. Der Anstieg des Index ohne Energie wird nach der vorliegenden Prognose ab Mitte dieses Jahres auslaufen, vornehmlich aufgrund von Angebotsreaktionen auf die hohen Preise. Dennoch sind die durchschnittlichen jährlichen Änderungsraten beider Rohstoffkategorien ähnlich, mit einem starken Anstieg im Jahr 2010 (35 % bei Energie- und 29 % bei Nicht-Energie-Rohstoffen) und geringeren Erhöhungen im Jahr 2011 (8 % gegenüber 3 %).

Trotz einer stärkeren Zunahme der Weltölnachfrage wird bei Rohöl nur ein geringer weiterer Preisanstieg auf ein Niveau von 90 US-$ je Barrel bis Ende 2011 prognostiziert – vor allem aufgrund nachlassender Förderdisziplin bei den OPEC-Ländern und zusätzlicher Produktionsaufnahme außerhalb der OPEC. Bei den Preisen für Metall wird auf kurze Sicht ein weiterer Anstieg erwartet, später im Prognosezeitraum aber ein Nachgeben der Preise vorhergesagt, da mit einer zunehmenden Reaktion der Produzenten auf die gestiegenen Preise gerechnet wird. Die Preise agrarischer Rohstoffe haben insgesamt ihre krisenbedingten Verluste bereits wettgemacht und neue Höchststände erreicht, was auf größere Marktdefizite sowie vorübergehende Angebotsengpässe hindeutet. Es wird jedoch erwartet, dass ein Marktausgleich erfolgt und die Preise nachgeben. Die Preise für Nahrungsmittel haben sich vergleichsweise langsam von ihrem Fall in der zweiten Hälfte des Jahres 2008 bis in das Jahr 2009 hinein erholt und sollten relativ niedrig bleiben; es wird sogar ein Rückgang des Nahrungsmittelpreisindex um 3 % im Jahr 2010 und um 4 % im Jahr 2011 erwartet.

Die realen Rohstoffpreise sollten im Prognosezeitraum weiter steigen, wenn auch in einem gemäßigteren Tempo. Die Preise der Industrierohstoffe werden im Vergleich der Jahresdurchschnitte den letzten Höchst-stand schon in diesem Jahr übertreffen. Dies impliziert, dass die Veränderung der „Terms of Trade“ zu Lasten der Netto-Rohstoffverbraucher und zugunsten der Netto-Rohstoffproduzenten, wie schon in den Jahren vor der Krise, weitergehen wird.